EUR/USD: Die Rezession schwächt sich ab

Wie schon im Mai, scheint sich die Rezession in der Eurozone auch im Juni weiter abgeschwächt zu haben. Darauf deutet der am Mittwoch vom Londoner Markit Institut veröffentlichte Composite-Einkaufsmanagerindex hin, welcher mit 48,7 Punkten auf den höchsten Wert seit 15 Monaten gestiegen ist. Dennoch bleibt der Index damit weiterhin (und bereits zum 17. Mal in Folge) unter der Schwelle von 50 Punkten, ab welcher Wachstum signalisiert wird. Zudem liegt das Ergebnis leicht unter der Vorabschätzung von 48,9 Punkten.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welche Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und 2000 Dienstleistungs-Unternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Der Composite Index ist ein gewichteter Mittelwert zwischen dem Index für die Industrie und dem für den Dienstleistungssektor.

„An den Juni-Daten lässt sich ersehen, dass sowohl die Industrie als auch der Dienstleistungssektor geringere Einbußen hinnehmen mussten als noch im Mai“, teilte Markit mit. Die Produktionsleistung der Industrie habe nur noch geringfügig abgenommen und mit der geringsten Rate seit Beginn des Abwärtstrends vor 16 Monaten. Und auch die Geschäftstätigkeit im Dienstleistungsbereich sei mit der geringsten Rate seit Januar rückläufig gewesen.

Besonders positiv fällt auf, dass die wirtschaftliche Talfahrt in den beiden Krisenländern Spanien und Italien wesentlich geringer ausgefallen ist. Spanien erreichte ein 24-Monatshoch von 48,1 Punkten und Italien ein 21-Monatshoch von 47,0 Punkten. Auf den besten Wert ist Irland gekommen, wo die Wirtschaft mit einem 5-Monatshoch von 53,2 Punkten solide wächst. Deutschland erreichte mit einem 3-Monatshoch von 50,4 Punkten knapp den Wachstumsbereich, während Frankreich mit 47,4 Punkten deutlich darunter geblieben ist. Dieses Ergebnis stellt aber ebenfalls ein 10-Monatshoch dar.

In Spanien stieg der Dienstleistungsbereich mit 47,8 Punkten auf den höchsten Wert seit Juli 2011 und übertraf damit leicht den Mai-Wert von 47,3 Punkten. Die Industrie erreichte mit 50,0 Punkten sogar zum ersten Mal seit April 2011 wieder die Wachstumsschwelle. Im Mai wurden 48,1 Punkte verzeichnet und im April sogar nur 44,7 Punkte. Der bei Markit für Spanien zuständige Ökonom Andre Harker sagte, dass sich der Eindruck weiter verstärken würde, dass sich die Rezession abschwächt. Obwohl die Entwicklung positiv sei, wären allerdings ein Ende der Rezession und eine Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum noch weiter entfernt. Zudem weist Harker darauf hin, dass die Industrie die Verbesserung hauptsächlich dem Export zu verdanken habe. In Spanien selbst gebe es dagegen nur wenige Zeichen einer Markt-Erholung.

Chris Williamson, Chefökonom von Markit, verweist zudem auf den Abschluss des Eurozonen-Indikators unter 50 Punkten. Das würde darauf hindeuten, dass sich die Rezession in der Eurokrise inzwischen auf eine Rekordspanne von sieben Quartalen ausgedehnt habe. Der Rückgang im zweiten Quartal dürfte ungefähr bei 0,2 Prozent liegen, womit sich der Trend der ersten drei Monate dieses Jahres weitgehend fortsetzen würde. Trotzdem gebe es „guten Grund zur Annahme, dass sich die Konjunktur der Eurozone derzeit stabilisiert und im zweiten Halbjahr in die Wachstumszone vorstoßen wird.“ In diesem Zusammenhang verweist Williamson besonders auf die geringsten Wachstumseinbußen seit zwei Jahren in Spanien und den geringsten Schwund in Italien seit September 2011. Anlass zur Sorge bereite dagegen, „dass angesichts des schwachen deutschen Wachstums derzeit kein echter Wachstumsmotor auszumachen ist. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Konjunktur der Eurozone erst dann wieder anzieht, wenn der Optimismus zurückkehrt und die Arbeitslosenrate von Ihrem Rekordhoch von 12,2 Prozent absinkt.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

EUR/USD hat auch in dieser Woche die seit dem 19. Juni zu sehende Abwertung fortgesetzt und ist am heutigen Mittwoch bis zu einem Tief bei 1,292 gefallen. Leicht darunter, derzeit ungefähr bei 1,291, liegt die Trendlinie des ehemaligen Abwärtstrends beginnend vom Jahreshoch aus Februar bei 1,371. Aktuell stabilisiert sich das Paar wieder etwas und der Kurs befindet sich im Moment (Mittwoch ca. 17:30 Uhr) wieder leicht über 1,30. Trotzdem hat sich die charttechnische Situation für die Gemeinschaftswährung weiter eingetrübt. Sollte der Euro nun auch zurück in den ehemaligen Abwärtstrend fallen, also unter dem Bereich 1,292/1,29, würden weitere Abgaben bis 1,28 und zum Jahrestief bei 1,2744 drohen. Gegen die Gemeinschaftswährung spricht derzeit nicht nur die charttechnische, sondern auch die fundamentale Lage. Während in der Eurozone zurzeit eine geldpolitische Straffung kaum denkbar erscheint, gibt es in den USA bereits konkrete Pläne für einen schrittweisen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Bei diesem Hintergrund wäre es keine Überraschung, wenn EUR/USD in der kommenden Zeit noch wesentlich deutlicher abwertet und auf neue Jahrestiefs bei 1,2659; 1,25 und möglicherweise auch bis zum 2012-Tief bei 1,204 fällt.

Aufhellen würde sich die Situation für EUR/USD dagegen bei einem nachhaltigen Anstieg über den Bereich 1,3103/1,3151. Allerdings findet sich auch in diesem Fall bereits bei 1,3254/1,33 neuer Widerstand und erst darüber könnte von einer Fortsetzung der vorhergehenden Aufwärtsbewegung mit Zielen bei 1,34; 1,35 und 1,37 ausgegangen werden.

Zu beachten ist, dass am morgigen Donnerstag der geldpolitische Rat der EZB tagt (Ergebnis um 13:45 Uhr und Pressekonferenz um 14:30 Uhr) und am Freitag die amerikanischen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht werden. Diese Termine könnten einen nachhaltigen Einfluss auf die weitere Entwicklung von EUR/USD haben.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch ca. 17:30 Uhr):
EURUSD

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