EUR/USD: Die Eurozone erholt sich weiter

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Die Eurozone erholt sich weiter von der längsten Rezession ihrer Geschichte. Die Geschäfte der Privatwirtschaft liefen im September so gut wie seit Juni 2011 nicht mehr. Das teilte das Londoner Markit Institut in der Schnellschätzung zum Einkaufsmanagerindex mit. Dieser stieg von 51,5 Punkte im August auf jetzt 52,1 Punkte. Ökonomen hatten einen schwächeren Anstieg auf 51,9 Punkte erwartet. Aufgrund des dritten Wachstums in Folge schneide die Eurozone damit im aktuellen Quartal so gut ab wie seit dem zweiten Quartal 2011 nicht mehr, teilte Markit mit. Zurückzuführen sei die beschleunigte Dynamik in erster Linie auf den Auftragseingang, welcher im September ebenfalls so hoch ausgefallen sei, wie zuletzt im Juni 2011.

Über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten lag sowohl der Industriebereich, als auch der Dienstleistungsbereich. An Fahrt gewonnen habe allerdings nur der Dienstleistungsbereich, wo der Index von 50,7 auf ein 27-Monatshoch von 52,1 Punkten gestiegen ist. Die optimistische Einschätzung der Dienstleister würde darauf hindeuten, dass Sie auch in den nächsten Monaten mit einer weiter anziehenden Nachfrage rechneten, schreibt Markit. Im Industriebereich verlangsamte sich das Wachstum dagegen von 53,4 Punkte auf ein 3-Monatstief von 52,1 Punkten. Trotzdem sei auch hier das dritte Quartal 2013 so gut ausgefallen, wie seit dem zweiten Quartal 2011 nicht mehr.

Hoffnung auf Besserung gibt es auch für den Arbeitsmarkt. Zwar seien nochmals Stellen verloren gegangen. Die anziehenden Nachfrage habe aber dafür gesorgt, dass im September nur so wenige Jobs abgebaut wurden, wie noch nie seit Beginn des Arbeitsplatzabbaus im Januar 2012. Während der Industriebereich in geringem Umfang Stellen gestrichen habe, konnte sich die Beschäftigungslage im Dienstleistungsbereich nach 20-monatigem Rückgang sogar wieder stabilisieren.

Wachstumslokomotive bleibe Deutschland. Dort habe die Wirtschaftsleistung so stark zugelegt, wie seit acht Monaten nicht mehr. Auch seien erneut Arbeitsplätze geschaffen worden und dies so zahlreich, wie seit 18 Monaten nicht mehr. Lediglich das Produktionswachstum im Industriebereich habe sich gegenüber den beiden Vormonaten abgeschwächt.

Auch in Frankreich habe die Wirtschaft erstmals seit Februar 2012 wieder geringfügiges Wachstum vermeldet, was hauptsächlich an der Stabilisierung beim Auftragseingang gelegen habe. Auch hier sei der Jobabbau so gering ausgefallen, wie noch nie seit Beginn der Entlassungswelle vor 19 Monaten. Frankreich hatte vielen Ökonomen Sorge bereitet, da die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone in den vergangenen Monaten nur wenig vom allgemeinen Aufschwung profitieren konnte. Nun scheint es also auch dort wieder bergauf zu gehen.

Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, sagte, dass das dritte Quartal 2013 nicht nur so gut wie seit über zwei Jahren ausgefallen sei, sondern „sich auch die Anzeichen dafür, dass sich die Eurozone von der längsten Rezession ihrer Geschichte weiter erholt“ mehren würden. Trotz der weiter sinkenden Beschäftigung, würde zudem der nur noch verhaltene Jobabbau signalisieren, dass sich auch die Lage am Arbeitsmarkt bald wieder verbessern dürfte. Die Berechnungen des Markit-Instituts würden allerdings auf ein nur sehr schwaches Wachstum im dritten Quartal von 0,2 Prozent hindeuten. Zwar spreche die anziehende Nachfrage dafür, dass sich der Aufschwung im vierten Quartal fortsetzte, „doch dürften die Entscheidungsträger der EZB ihre Geldpolitik bestimmt noch eine ganze Weile lang unverändert lassen“.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone insgesamt veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da dann bereits rund 85 Prozent der Fragebögen ausgewertet sind und es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Die endgültigen Ergebnisse werden in der kommenden Woche für die Industrie am Dienstag und für den Dienstleistungsbereich am Donnerstag bekannt gegeben. Dann stehen insbesondere die Krisenländer Spanien und Italien im Fokus, da es für diese Länder keine Vorabschätzung gegeben hat.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befindet sich EUR/USD seit dem 10. Juli in einer Aufwärtsbewegung. Nach einer anschließenden Korrektur bis 1,3102, kann der Euro seit dem 6. September wieder zulegen. Vor allem in der vergangenen Woche ging es nach dem Sitzungsergebnis der amerikanischen Notenbank steil bis 1,357 nach oben. Das war der höchste Stand seit Anfang Februar. Seitdem konsolidiert das Paar allerdings darunter und zeigt dabei insgesamt nur noch wenig Bewegung. Am heutigen Nachmittag fiel der Kurs bis 1,3477 und liegt aktuell nur wenig höher (Stand Montag, 23.09.3013, ca. 16:30 Uhr). Nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Zeit wäre eine weitere Konsolidierung in den nächsten Tagen keine Überraschung, welche allerdings begrenzt ausfallen sollte. Die nächsten Unterstützungen finden sich bei rund 1,345 und 1,34. Unabhängig davon, ob sich die aktuelle Korrektur noch fortsetzt oder es schon kurzfristig wieder nach oben geht. Zumindest mittelfristig ist aber von einer weiteren Euro-Aufwertung auszugehen. Sobald das Hoch der vergangenen Woche bei 1,357 überschritten wird, ist aus charttechnischer Sicht der Weg frei für einen weiteren Anstieg bis zum Jahreshoch vom 1. Februar bei 1,371. Darüber sind längerfristig Ziele bei 1,38; 1,39 und dem Oktober-Hoch aus 2011 bei 1,4247 möglich. Eintrüben wurde sich die Situation erst unter 1,332, wobei sogar erst unter 1,3102 wieder von einer langfristigen und nachhaltigen Euro-Abwertung ausgegangen werden müsste.

Tageschart EUR/USD (Stand 23.09.2013, ca. 16:30 Uhr):
EURUSD

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