EUR/USD: Deutscher ZEW-Index auf Höhenflug

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Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland sind im September weiter angestiegen. Das teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Der Index konnte gegenüber dem Vormonat deutlich um 7,6 auf jetzt 49,6 Punkte zulegen. Das ist der höchste Wert seit April 2010. Experten hatten einen schwächeren Anstieg auf nur rund 45 Punkte erwartet. Der Wert liegt zudem deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 23,8 Punkten. Auch die aktuelle konjunkturelle Lage wird mit einem Plus von 12,3 Punkten auf jetzt 30,6 Punkte deutlich besser beurteilt, als noch vor einem Monat. Nur 3,1 Prozent der Umfrageteilnehmer bezeichnet die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland als „schlecht“, während die Mehrheit von 63,2 Prozent diese als „normal“ bewertet. Mit 33,7 Prozent sehen nicht wenige Experten die Konjunktur sogar als „gut“ an.

„Die Finanzmarktexperten sehen die deutsche Konjunktur weiter im Aufwind. Insbesondere die verbesserten Aussichten für die Eurozone sorgen dafür, dass der Konjunkturoptimismus der Experten zunimmt, obwohl die Wirtschaftszahlen für Deutschland zuletzt hinter den Erwartungen zurückblieben“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

An der Umfrage haben sich 260 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Verbessert hat sich aber nicht nur die Einschätzung für Deutschland, welche ohnehin schon längere Zeit sehr positiv ausfällt. Nochmals deutlich optimistischer sind die Experten auch für die weitere Entwicklung der Eurozone in den kommenden sechs Monaten. Dieser Index stieg um 14,6 auf 58,6 Punkte, dem höchsten Wert seit September 2009. Nur noch 4,7 Prozent erwarten eine neue Verschlechterung der Konjunktur, nachdem sich die Situation zuletzt deutlich stabilisiert hatte. 32,0 Prozent erwarten eine unveränderte Lage, während eine deutliche Mehrheit von 63,3 Prozent von einer sich weiter verbessernden konjunkturellen Entwicklung ausgehen. Die aktuelle Situation der Eurozone wird allerdings immer noch sehr schlecht beurteilt. Zwar konnte auch hier der Index deutlich um 14,4 Punkte steigen, bleibt aber mit jetzt minus 59,7 Punkten weit von der neutralen Null-Linie entfernt. Nur 2,3 Prozent bezeichnen die konjunkturelle Lage in der Eurozone als „gut“, während 62,0 Prozent diese als „schlecht“ bewerten.

Für den DAX, welcher vor kurzem erst ein Allzeithoch erreicht hatte, geht die Mehrheit von 59,0 Prozent der Finanz-Experten auch in den kommenden sechs Monaten von weiter steigenden Kursen aus. Für andere Aktienmärkte ist man ebenfalls durchweg positiv gestimmt. Selbst beim italienischen MIBTel prognostizieren, trotz der Krise im Land, nur eine Minderheit von 12,9 Prozent fallende Kurse.

Pessimistisch sieht man dagegen die Entwicklung des Euros gegenüber dem US-Dollar in der nahen Zukunft. Gerade einmal 8,8 Prozent erwarten steigende Kurse für EUR/USD. 54,6 Prozent gehen dagegen von einem sinkenden Euro aus, während 96,6 Prozent eine Seitwärtsbewegung prognostizieren.

Gegenüber dem Britischen Pfund und dem Schweizer Franken erwartet man mit 69,8 Prozent bzw. 72,3 Prozent für den Euro überwiegend eine Seitwärtsbewegung. Bei EUR/JPY prognostizieren 40,7 Prozent einen sinkenden Kurs in den kommenden sechs Monaten, während nur noch 12,4 Prozent von einer Euro-Aufwertung ausgehen. Eine knappe Mehrheit von 46,9 Prozent der Umfrageteilnehmer hält aber auch hier eine Seitwärtsbewegung für wahrscheinlich.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD
(Stand 17.09.2013, ca. 17:00 Uhr):

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befand sich EUR/USD ab dem 10. Juli in einer Aufwärtsbewegung, welche das Paar bis zu einem Hoch bei 1,3452 am 20. August geführt hatte. Von dort korrigierte der Euro zunächst wieder nach unten und fiel am 5. September bis zu einem Tief bei 1,3102, wodurch auch die derzeit beide bei ungefähr 1,3155 liegenden 100- und 200-Tageslinien kurzfristig unterschrittenwurden. Bereits einen Tag später konnte sich das Paar aber wieder über diesen stark beachteten Linien stabilisieren und erholte sich in der vergangenen Woche schon deutlich bis zu einem Hoch bei 1,3325. In dieser Woche sorgte direkt zu Handelsbeginn die Nachricht, dass der bisher als Favorit geltende ehemalige amerikanische Finanzminister Lawrence H. Summers nicht mehr als Nachfolger des im Januar aus dem Amt scheidenden Fed-Gouverneurs Ben Bernanke zur Verfügung steht, für eine weitere Euro-Aufwertung bis 1,3385. Seitdem zeigt EUR/USD aber nur noch wenig Bewegung. Der Grund für die unentschlossene Entwicklung dürfte das am morgigen Mittwoch anstehenden Sitzungsergebnis der US-Notenbank sein, bei welcher diese über eine mögliche Reduzierung der Anleihenkäufe entscheiden wird. Das wollen viele Händler abwarten.

Widerstand findet sich bei 1,341 und insbesondere beim Hoch vom 20. August bei 1,3452. Sollte ein nachhaltiger Anstieg darüber gelingen, würden die nächsten Ziele bei 1,352 und dann dem Jahreshoch aus Februar bei 1,371 liegen. Solange die US-Notenbank nicht doch noch für eine Euro-Abwertung sorgen sollte, ist dieses bullish Szenario aus charttechnischer Sicht wahrscheinlich. Deutlich eintrüben würde sich die Lage allerdings, falls der Euro unter das Tief vom 10. September bei 1,3228 fällt. Sollte der Kurs in diesem Fall anschließend auch unter das Tief der Vorwoche bei 1,3102 fallen, müsste doch von einer nachhaltigen Euro-Abwertung bis 1,3063; rund 1,30 und dem Jahrestief aus April bei 1,2744 ausgegangen werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Dienstag, ca. 17:00 Uhr):
EURUSD

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