EUR/USD: Deutscher Aufschwung gewinnt an Breite

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Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland hat sich im aktuellen Jahr deutlich gefestigt. Diese Einschätzung trifft die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht für Mai. Die schon länger vorhandene Aufwärtsbewegung der Binnenkonjunktur habe sich dabei zuletzt nochmal dadurch verstärkt, dass nunmehr auch die Ausrüstungsinvestitionen nach längerer Durststrecke wieder nach oben tendierten. Das breite Wirtschaftswachstum werde dadurch abgerundet, dass auch aus dem Ausland seit einem Jahr zwar insgesamt eher moderate, aber recht stetige Impulse kommen würden. Selbst negative Einflüsse aus anderen Ländern hätten die gute Stimmung bislang nicht merklich beeinträchtigt. Stattdessen habe insbesondere die Erholungs-Tendenz im Euro-Raum dazu beigetragen, dass sich das lange Zeit von Unsicherheiten geprägte Investitionsklima verbessert hat.

Der konjunkturelle Aufwind habe auch den Arbeitsmarkt im Winter 2014 deutlich belebt. Hinzu seien durch die milde Witterung Effekte in Wirtschaftsbereichen entstanden, in denen die Beschäftigung während dieser Jahreszeit üblicherweise gedrückt ist. Daher sei die Arbeitslosigkeit diesmal „spürbar gesunken“, während in den beiden Vorjahren im Winter tendenziell ein leichter Anstieg zu beobachten war. Die expansive Nachfrage bei einer gleichzeitig niedrigen Arbeitslosigkeit habe zudem zu einer anhaltend kräftigen Zuwanderung insbesondere aus dem EU-Staaten geführt. Die Bundesbank erwartet, dass die deutschen Unternehmen in nächster Zeit weiterhin expansiv Arbeitsplätze schaffen werden.

Das weltweite Wirtschaftswachstum sei dagegen im ersten Quartal des Jahres „eher verhalten“ ausgefallen. Insgesamt sei eine Wachstumsverlangsamung sowohl bei den fortgeschrittenen Volkswirtschaften als auch unter den Schwellenländern zu beobachten gewesen. So habe in den USA der außergewöhnlich strenge Winter die Produktionsleistung zum Teil behindert. Anderseits hätten aber in Japan Vorzieh-Effekte aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. April zu einem starken Anstieg der Binnennachfrage geführt. Das Wachstum im Euro-Raum sei gedämpft geblieben. Bei den Schwellenländern seien vor allem der „holprige Start“ der chinesischen Wirtschaft und die durch die Ukraine-Krise verschärften ökonomischen Probleme Russlands hervorzuheben.

Insgesamt geht die Bundesbank in Deutschland von einer Fortsetzung des Aufschwungs aus. Der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,8 Prozent im ersten Quartal übertreffe allerdings die „zyklische Grunddynamik erkennbar“. Dazu habe insbesondere der außergewöhnlich milde und trockene Winter geführt. Im zweiten Quartal dürfte sich das Wachstum etwas verlangsamen.

Laut dem aktualisierten deutschen Stabilitätsprogramm werde bis zum Jahr 2018 ein ausgeglichener bis leicht überschüssiger Haushalt in Aussicht gestellt. Die Schuldenquote soll bis 2018 auf 65 Prozent sinken. Die Defizit- und Schuldenziele würden erreichbar erscheinen und es sei zu begrüßen, dass die europäischen Vorgaben deutlich eingehalten werden sollen, teilt die Bundesbank mit. Die Lage der deutschen Staatsfinanzen sei damit im internationalen Vergleich „relativ vorteilhaft“. Dennoch kritisiert die Notenbank das Stabilitätsprogramm. Die finanzpolitische Ausrichtung sei „keinesfalls ambitioniert“. Die Bundesregierung habe den Ausgabenkurs im Vergleich zu früheren Planungen spürbar gelockert. „Angesichts der erwarteten günstigen und störungsfreien gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der weiterhin hohen Staatsverschuldung und der absehbaren demographischen Belastungen der Staatshaushalte wären ambitioniertere Ziele für den Finanzierungssaldo durchaus empfehlenswert“, ist im Monatsbericht zu lesen.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Übergeordnet befindet sich EUR/USD seit Juli 2012 in einem Aufwärtstrend. Ausgehend von 1,204 konnte der Kurs bis zu einem Hoch bei 1,3993 am 8. Mai dieses Jahres steigen. Anschließend kam es allerdings zu einer deutlichen Abwertung, wodurch der Euro bis zu einem Tief bei nur noch 1,3646 am 15. Mai gefallen war. Von dort konnte sich die Gemeinschaftswährung wieder etwas stabilisieren und lag in den letzten Tagen meist leicht oberhalb von 1,37, ohne dass allerdings größere Bewegung zu sehen war. Die charttechnische Situation ist interessant. Zwar ist das Gesamtbild durch die deutliche Abwertung angeschlagen. Aber schon durch einen nachhaltigen Anstieg über 1,3734 und anschließend über 1,3774 würde sich die Situation deutlich aufhellen. Gelingt danach mittelfristig auch eine Rückkehr über 1,39/1,395 könnte sich der Aufwärtstrends mit Zielen bei 1,40; 1,4247 und möglicherweise 1,46 fortsetzen. Wichtig für Euro-Bullen ist, dass der Kurs nicht mehr unter das genannte Tief der vergangenen Woche bei 1,3646 fällt. Andernfalls dürfte wohl auch die nächste wichtige Unterstützung bei 1,364 (Zwischentief vom 27. Februar) unterschritten und die derzeit bei 1,3628 liegende 200-Tageslinie getestet werden. Spätestens darunter müsste dann von einer weiteren nachhaltigen Abwärtsbewegung zumindest bis 1,3475 und zur bei ungefähr 1,34 liegenden Trendlinie der langfristigen Aufwärtsbewegung (ausgehend von Juli 2012) ausgegangen werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Montag, 19.5.14, ca. 16:00 Uhr):
EURUSD

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