EUR/USD: Deutsche ZEW-Erwartungen verschlechtern sich

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Die Erwartungen der deutschen Finanzmarktexperten für die weitere Entwicklung der deutschen Konjunktur haben sich im Januar eingetrübt und liegen auf dem niedrigsten Stand seit Oktober vergangenen Jahres. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) monatlich ermittelte Indikator sank gegenüber dem Vormonat um 5,9 Punkte auf einen Stand von jetzt 10,2 Punkte. Ökonomen hatten im Vorfeld allerdings mit einem noch deutlicheren Rückgang auf nur 8,2 Punkte gerechnet. Der Index bleibt damit unter seinem langfristigen Durchschnitt von 24,7 Punkten. Trotzdem sind und bleiben mehr Finanzexperten optimistisch, als pessimistisch. Dies lässt sich an Index-Werten über null ablesen.

„Der Beginn des neuen Jahres ist geprägt von den Kapitalmarktturbulenzen in China, die auch zu starken Kursrückgängen am deutschen Aktienmarkt geführt haben“, sagte Prof. Dr. Sascha Steffen, Leiter des Forschungsbereichs „Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement“ am ZEW. Wie auch schon im vergangenen Jahr würde die Wachstumsschwäche Chinas und anderer wichtiger Schwellenländer den Konjunkturausblick für Deutschland belasten.

Die Bewertung der aktuellen Lage in Deutschland bleibt aber nicht nur auf einem sehr hohen Niveau, sondern verbesserte sich sogar nochmals um 4,7 Punkte auf jetzt 59,7 Punkte. Die Prognose für die weitere Konjunkturentwicklung in der Eurozone verschlechtert sich dagegen deutlich um 11,2 auf jetzt 22,7 Punkte. Trotzdem bedeutet auch hier die positive Zahl, dass mehr Experten optimistisch, als pessimistisch sind. Die Bewertung der aktuellen Situation im Euroraum bleibt mit minus 7,5 Punkten negativ, hat sich gegenüber Dezember aber um 2,1 Punkte verbessert.
Trotz der starken Abwärtsbewegung am Jahresanfang zeigt man sich bezüglich der weiteren Entwicklung der Aktienmärkte erstaunlich optimistisch. Die Prognosen haben sich gegenüber Dezember kaum verändert. Für den deutschen DAX gehen beispielsweise 68,4 Prozent der Umfrageteilnehmer von steigenden Kursen in den kommenden sechs Monaten aus, 24,9 Prozent prognostizieren eine Seitwärtsbewegung und nur 6,7 Prozent einen weiterhin fallenden Kurs. Nicht viel anders sind die Werte für den amerikanischen Dow Jones. 60,4 Prozent sagen steigende, 29,0 Prozent seitwärts laufende und nur 10,6 Prozent sinkende Kurse vorher. Beim japanischen Nikkei sind 53,5 Prozent (+5,8) optimistisch, 35,5 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung aus und 11,0 Prozent prognostizieren fallende Kurse.

Bei EUR/USD können sich nur 10,0 Prozent der Finanzmarktexperten steigende Kurse vorstellen. Die Mehrheit von 61,0 Prozent erwartet eine Euro-Abwertung in den kommenden Monaten, während 29,0 Prozent von einer Seitwärtsbewegung ausgeht. Im Verhältnis des Euros gegenüber dem Yen, dem Britischen Pfund und dem Schweizer Franken geht dagegen jeweils eine Mehrheit von über 50 Prozent der Umfrageteilnehmer davon aus, dass es keine größeren Veränderungen geben wird.

An der Umfrage haben sich 227 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

EUR/USD bewegte sich im vergangenen Jahr zwischen einem Jahrestief bei 1,0461 und einem Hoch bei 1,1714. Obwohl das Paar durchaus volatile Bewegungen zeigte, war übergeordnet auf längerfristige Sicht keine klare Richtung auszumachen. Seit Anfang Dezember wird EUR/USD in einer engen Range zwischen 1,1102 und 1,0709 gehandelt. Bewegung ist kaum noch vorhanden und die weitere Entwicklung nicht eindeutig. Die Chartmarken sind allerdings klar ersichtlich. Ein Anstieg über 1,1102 würde den Weg in Richtung 1,15 und 1,17 freimachen. Fällt die Gemeinschaftswährung dagegen unter 1,0708 dürfte anschließend das genannte Jahrestief 2015 bei 1,0461 angesteuert werden. Schon am Donnerstag könnte die geldpolitische Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) die nötigen Impulse für einen Ausbruch nach oben oder unten liefern.

Tageschart EUR/USD (Stand Dienstag, den 19.1.16, ca. 23:00 Uhr):
EURUSD

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