EUR/USD: Deutsche Handelsbilanz verringert sich überraschend

Teilen!

Die deutsche Handelsbilanz weist für Mai einen Überschuss von 13,1 Milliarden Euro auf. Das teilte das statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mit. Vor einem Jahr, also im Mai 2012, lag der Überschuss bei 15,6 Milliarden Euro. Ökonomen hatten eigentlich einen Anstieg prognostiziert. Der Überschuss ist zudem der geringste seit 14 Monaten. Im Einzelnen wurden Waren im Wert von 88,2 Milliarden Euro exportiert, welchen Importe im Wert von 75,2 Milliarden Euro gegenüber standen.

Der Grund für das schwächere Ergebnis sind die Ausfuhren, welche gegenüber dem Vormonat um 2,4 Prozent und gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,8 Prozent rückläufig waren. Die Einfuhren verringerten sich im Jahresvergleich zwar ebenfalls, aber mit einem Minus von 2,6 Prozent deutlich weniger. Im Monatsvergleich stiegen die Einfuhren sogar um 1,7 Prozent an. Der Rückgang der Exporte auf Monatssicht ist der größte seit Dezember 2009.

Bei den rückläufigen Ausfuhren macht sich die schlechte konjunkturelle Entwicklung in der Eurozone deutlich bemerkbar. Im Jahresvergleich waren die Exporte in andere Euro-Länder um 9,6 Prozent rückläufig. Auch in EU-Länder, welche nicht der Eurozone angehören, wurde weniger exportiert, allerdings fiel der Rückgang mit einem Minus von 2,4 Prozent deutlich geringer aus. Insgesamt führen diese Zahlen zu einem Minus bei den Ausfuhren in EU-Länder um 7,1 Prozent. Auch in Länder außerhalb der EU waren die Exporte rückläufig, aber mit minus 1,6 Prozent nur leicht.

Gleichzeitig waren auch die Importe rückläufig. Von anderen Euro-Ländern wurden im Jahresvergleich 0,5 Prozent weniger Waren eingeführt. Von EU-Ländern ohne Euro betrug der Rückgang 1,3 Prozent und von Drittländern 5,9 Prozent.

Auch Industrieproduktion sinkt stärker, als erwartet

Wie das statistische Bundesamt ebenfalls am Montag mitteilte, war im Mai auch die deutsche Industrieproduktion im Monatsvergleich zum ersten Mal seit Januar rückläufig und dies mit einem Minus von 1,0 Prozent so stark wie seit Oktober letzten Jahres nicht mehr. Zudem fällt der Rückgang doppelt so stark aus, wie von Ökonomen erwartet wurde. Der Grund lag vor allem in deutlichen Rückgängen im Baugewerbe (minus 2,6 Prozent) und bei Investitionsgütern (minus 2,3 Prozent). In beiden Bereichen war die Produktion in den Vormonaten allerdings stark angestiegen. Im Zweimonatsvergleich April/Mai weist das Baugewerbe  trotz des jetzigen Rückganges immer noch ein Plus von 4,2% aus und die Investitionsgüter ein Plus von 3,5 Prozent.

Das ohnehin schon gute Ergebnis aus April konnte außerdem leicht um 0,2 auf jetzt plus 2,0 Prozent nach oben revidiert werden. Das statistische Bundesamt sieht die Entwicklung daher auch durchaus optimistisch. Nach den teilweise deutlichen Zuwächsen in den letzten Monaten habe sich die Industrieproduktion im Mai zwar leicht abgeschwächt, wird mitgeteilt. „Sie bleibt aber in der Tendenz aufwärts gerichtet.“ Den Rückgang der Erzeugung im Bau bezeichnet das Bundesamt als „eine moderate Gegenbewegung auf den durch witterungsbedingte Nachholeffekte außergewöhnlich starken Produktionsanstieg im April“. Die Erholung im produzierenden Gewerbe dürfte sich im weiteren Verlauf leicht gedämpft fortsetzen. Darauf würde auch die Entwicklung der vorlaufenden Stimmungsindikatoren hindeuten.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Seit dem 19. Juni befindet sich EUR/USD in einer steilen Abwärtsbewegung. Ausgehend von Kursen bei rund 1,34 fiel die Gemeinschaftswährung am Freitag bis auf ein vorläufiges Tief bei nur noch 1,2803. In der Nacht zum heutigen Montag startete das Paar zunächst auf einem ähnlichen Niveau, konnte sich im Tagesverlauf aber bis rund 1,287 (Stand Montag ca. 17:30 Uhr) stabilisieren. Auf ein Ende der Abwärtsbewegung deutet dies allerdings noch nicht hin. Eine gewisse Konsolidierung ist kurzfristig vielmehr nach der starken vorangegangenen Abwertung wahrscheinlich gewesen, insbesondere da ein wichtiger Unterstützungsbereich erreicht wurde, welcher ebenfalls für eine Gegenbewegung gesprochen hat. Bei ungefähr 1,28 liegt die Trendlinie ausgehend von November 2012. Zudem findet sich bei 1,2793 das Zwischentief vom 17. Mai. Auch das Jahrestief von Anfang April bei 1,2744 ist nicht weit entfernt. Es bleibt abzuwarten, ob und wieweit sich die aktuelle Stabilisierung noch fortsetzen kann. Insgesamt bleibt aber eine baldige weitere Abwertung wahrscheinlich. Sobald das Paar unter den genannten Unterstützungsbereich fällt, finden sich die nächsten Ziele bei 1,2659 und 1,25. Da nicht nur die charttechnische Situation, sondern auch die fundamentale Lage gegen den Euro spricht (gegebenenfalls weitere geldpolitische Lockerungen in der Eurozone stehen Überlegungen einer Straffung der Geldpolitik in den USA schon im Laufe dieses Jahres gegenüber), ist längerfristig selbst eine deutliche Euro-Abwertung bis zum 2012-Tief bei 1,204 vorstellbar. Aufhellen würde sich die Lage für den Euro erst wieder oberhalb von 1,303 und sogar erst oberhalb von 1,3103/1,3151 könnte tatsächlich wieder von einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung ausgegangen werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Montag ca. 17:30 Uhr):
EURUSD

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Chartanalysen, EUR/USD, Europa, Finanznachrichten abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.