EUR/USD: Deutsche Finanzmarktexperten sind optimistisch

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Die Finanzmarktexperten blicken optimistisch auf die weitere konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Dies geht aus der Dezember-Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor. Die Konjunkturerwartungen stiegen das zweite Mal in Folge und dabei überraschend deutlich um 23,4 auf jetzt 34,9 Punkte. Damit liegt der Index wieder oberhalb des langfristigen Mittelwertes von 24,4 Punkten und auf dem höchsten Stand seit Mai 2014. Ökonomen hatten im Vorfeld einen deutlich geringeren Anstieg auf nur 19,8 Punkte prognostiziert. Auch die Bewertung der aktuellen Lage verbesserte sich um 6,7 Punkte auf nun 10,0 Punkte.

„Langsam scheinen die ZEW-Finanzmarktexperten Vertrauen in die deutsche Konjunktur zurückzugewinnen. Dieser Vertrauensgewinn hängt mit den weiterhin günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Form eines schwachen Euros und eines niedrigen Ölpreises zusammen. Eine positive Tendenz ist bereits an den jüngst veröffentlichten Zahlen zu den deutschen Exporten abzulesen. Zu bedenken bleibt, dass der aktuelle Konjunkturoptimismus von Faktoren begünstigt wird, die sich kurzfristig ändern können“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

Auch für die Eurozone insgesamt zeigt man sich zuversichtlich. Die Erwartungen stiegen hier um 20,8 auf 31,8 Punkte. Allerdings wird die aktuelle konjunkturelle Situation im Euroraum mit minus 62,8 Punkten weiterhin als äußerst schlecht bewertet. Dieser Indikator hat sich gegenüber dem Vormonat sogar nochmals um 3,1 Punkte verringert.

Trotz des in den letzten Monaten bereits deutlich gesunkenen EUR/USD-Kurses, erwarten 77,7 Prozent der Umfrageteilnehmer eine weitere Euro-Abwertung in den kommenden sechs Monaten. Nur 16,5 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung und sogar nur 5,8 Prozent von einem steigenden Euro aus. Gegenüber anderen Währungen wird der Euro allerdings nicht so schwach eingeschätzt. Bei EUR/JPY erwarten 58,0 Prozent eine Seitwärtsbewegung und 30,7 Prozent einen steigenden Euro-Kurs. Bei EUR/GBP prognostizieren 44,7 Prozent eine Euro-Abwertung und 47,6 Prozent eine Seitwärtsbewegung. Bei EUR/CHF ist man sich mit 87,1 Prozent weitgehend einig, dass es keine größeren Kursveränderungen geben wird.

Gegenüber dem sich in der letzten Zeit stark verbilligten Ölpreis gehen nur noch 19,7 Prozent der Finanzexperten von einer weiteren Abwertung aus. 40,4 Prozent erwarten eine Seitwärtsbewegung und 39,9 Prozent prognostizieren wieder steigende Preise. Optimistisch ist man für die Aktienmärkte. Beim DAX prognostizieren beispielsweise 58,0 Prozent steigende Notierungen in den kommenden Monaten. Nur 15,7 Prozent erwarten einen sinkenden Index. Beim amerikanischen Dow Jones sieht es mit 58,8 Prozent zu 13,6 Prozent ähnlich aus.

Überhaupt gelten für die Anleger vor allem Aktien und Rohstoffe als lohnende Investitionen im Jahr 2015. Dies geht aus der Sonderfrage zum Thema „Attraktivität unterschiedlicher Anlageklassen im Jahr 2015“ hervor. Mit 47 Prozent ist annähernd die Hälfte der befragten Experten der Ansicht, dass sich bei Aktien eine positive Entwicklung anbahnt. Das ist der höchste Wert unter allen bewerteten Anlageklassen, gefolgt von Rohstoffen, welche von 38 Prozent der Teilnehmer als zunehmend profitabel angesehen werden. Eine Ausnahme gibt es bei der Versicherungs- und Bankenbranche. In beiden Anlageklassen rechnet rund jeder zweite Teilnehmer mit einer abnehmenden Ertragssituation.

Die Bedeutung von Immobilien und Devisen wird für 2015 in etwa gleich gewichtet, wie im Vorjahr. Als wenig attraktiv werden Staats- und Unternehmensanleihen gesehen. Bei den Staatsanleihen beschreiben 84 Prozent der Befragten diese Anlageform als „eher unattraktiv“. Das ist nochmals eine deutliche Verschlechterung zum Vorjahr, wo bereits 60 Prozent dieser Meinung waren.

An der Umfrage haben sich 230 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Am 8. Mai 2014 erreichte EUR/USD ein Jahreshoch bei 1,3993. Seitdem wertet die Gemeinschaftswährung kontinuierlich ab. In der vergangenen Woche fiel der Kurs mit einem Tief bei 1,1993 auf den niedrigsten Stand seit Juni 2010. Das nächste wichtige Ziel befindet sich nun beim markanten 2010-Tief bei 1,1874. Noch niedrigere Notierungen gab es seit 2006 nicht mehr. Insgesamt ist aus jetziger Sicht aber nicht nur ein Test dieses genannten 2010-Tiefs wahrscheinlich, sondern durchaus auch darunter eine noch weitere Abwertung. Zwar muss jederzeit mit einer gewissen Gegenbewegung gerechnet werden. Leicht aufhellen würde sich die Lage aber nur oberhalb von 1,225. Wobei sogar erst oberhalb von 1,26 von einer grundlegend geänderten Chartsituation ausgegangen werden könnte.

Tageschart EUR/USD:
EURUSD

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