EUR/USD: Bernanke bezeichnet eine zu schnelle Straffung der Geldpolitik als Gefahr für das Wachstum

Der Gouverneur der amerikanischen Notenbank (Fed), Ben Bernanke, hat bei einer Anhörung vor dem gemeinsamen Finanzausschuss des amerikanischen Kongresses am Mittwoch vor einem zu schnellen Ende der lockeren Geldpolitik gewarnt. Die derzeitigen geldpolitischen Maßnahmen würden „signifikantem Nutzen“ bringen. Eine vorzeitige Verschärfung könne dagegen zu einem zeitweiligen Anstieg der Zinsen führen und „gleichzeitig das Risiko bergen, dass die wirtschaftliche Erholung verlangsamt oder beendet wird und die Inflationsrate weiter zurückgeht“. Zwar räumte er ein, dass die äußerst niedrigen Zinssätze über einen langen Zeitraum auch Risiken hätten. Im Moment würden aber noch die Vorteile überwiegen. Die Fed kauft im Moment monatlich Anleihen im Umfang von 85 Milliarden Dollar, während der Leitzins bereits seit geraumer Zeit nahe null liegt.

Trotz dieser Aussagen schließt Bernanke nicht aus, dass es bereits in diesem Jahr zu einer geldpolitischen Straffung kommen könnte. Dies hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Arbeitsmarkt ab. Falls sich die Situation „tatsächlich und nachhaltig“ aufhelle, könne das Volumen der Anleihenkäufe „auf einer der nächsten Sitzungen“ verringert werden. Bernanke betonte, dass aber auch dies dann noch kein Ende der quantitativen Lockerungen darstellen würde. Bezügliche dem Leitzins hatte die Notenbank stets betont, dass dieser auf einem „äußerst niedrigen“ Niveau bleiben solle, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Zuletzt lag diese bei 7,5 Prozent. Obwohl sich der Arbeitsmarkt damit schneller erholt, als bisher erwartet wurde, zeigte sich Bernanke noch nicht überzeugt. Der Arbeitsmarkt bleibe weiterhin schwach, sagte er.

Keine dritte Amtszeit für Bernanke?

Nicht äußern wollte sich Bernanke zu seiner persönlichen Zukunft. Seine zweite Amtszeit endet am 31. Januar 2014. Seit Monaten gibt es Spekulationen, dass er an einer Dritten nicht interessiert sei. Auf Nachfrage sagte er: „Ich bin nicht bereit, die Frage zu beantworten.“

Entscheidungsträger der Notenbank laut Sitzungs-Protokoll uneinig

Die stimmberechtigten Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) der Fed sind sich dagegen nicht einig, ab wann das Volumen der Anleihenkäufe gedrosselt werden soll. Das geht aus dem ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung hervor. So haben sich einige Mitglieder offen dafür gezeigt, bereits bei ihrem nächsten Treffen am 18. und 19. Juni eine erste Reduzierung vorzunehmen. Andere betonten dagegen ihre Bereitschaft die Geldpolitik sogar nochmals auszuweiten, falls die Inflation weiter rückläufig ist. Ein Mitglied stimmte für ein sofortiges Ende der Anleihenkäufe, während ein anderes Mitglied das Volumen mit sofortiger Wirkung erhöhen wollte.

St. Louis Fed-Gouverneur James Bullard befürwortet flexible Anleihenkäufe

Der Gouverneur der regionalen Fed von St. Louis, James Bullard, hält ein flexibles Anleihenkaufprogramm für die beste Lösung. Dies sagte er bei einem Vortrag in Frankfurt. Man solle weiterhin Anleihen kaufen, das Volumen aber kontinuierlich an die eingehenden Daten zur Wirtschaftsentwicklung, Arbeitslosigkeit und Inflation anpassen. Die Anleihenkäufe seien im Moment immer noch das Beste geldpolitische Mittel. Zwar würde sich die Konjunktur der USA erholen. Die Geschwindigkeit sei aber viel langsamer, als man dies ursprünglich erwartet habe.

Anleihenkäufe auch eine Lösung für Europa?

Bullard empfahl außerdem der Europäischen Zentralbank zu prüfen, ob sie nicht noch mehr für die Ankurbelung der Konjunktur tun könne. Ein Leitzins nahe null, könne dafür zwar prinzipiell schon ausreichen. Am Beispiel Japan habe sich aber gezeigt, dass sich dabei zusammen mit einer niedrigen Inflationsrate auch ein stabiles Gleichgewicht einstellen könne, wodurch die wirtschaftliche Stimulierung egalisiert würde. Diese Gefahr sei möglicherweise für den Euroraum gegeben. Sollte man sich zu weiteren geldpolitischen Lockerungen entscheiden, würde er ebenfalls Anleihenkäufe empfehlen. Der Gefahr, dass diese Geldpolitik dann als Staatsfinanzierung der klammen Euro-Staaten verstanden wird, könne man damit begegnen, dass man Anleihen der einzelnen Länder jeweils im Verhältnis zu ihrem Anteil am Eurozonen-BIP kauft. Am meisten würden dann deutsche Staatsanleihen erworben werden.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Die Aussagen von Bernanke und auch das FOMC-Protokoll haben keine Klarheit darüber gebracht, wann mit einer Reduzierung der Anleihenkäufe zu rechnen ist. Das spiegelte sich auch in der Kursentwicklung von EUR/USD wieder. Zunächst ging es zu Beginn von Bernankes Rede volatil von unter 1,295 bis 1,30 nach oben. Doch genauso schnell und zudem noch deutlicher fiel der Kurs anschließend wieder bis rund 1,282. Das Paar präsentiert sich damit weiterhin unentschlossen, wobei eine gewisse bearishe Tendenz noch überwiegt. Sollte der der Euro unter das Tief der letzten Woche bei 1,2793 fallen, würde dies für einen anschließenden Test des Jahrestiefs bei 1,2744 sprechen. Darunter könnten dann weitere Abgaben bis 1,266 und 1,25 folgen. Kurzfristig aufhellen würde sich die Lage dagegen bei einer nachhaltigen Rückkehr über 1,30. Wobei sogar erst über 1,305 der Weg für eine weitere Erholung bis 1,32 und 1,3245 frei wäre.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, ca. 12:30 Uhr):
EURUSD

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Chartanalysen, EUR/USD, Finanznachrichten, weltweit abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.