EUR/USD: Aufschwung in der Eurozone verlangsamt sich

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Der wirtschaftliche Aufschwung der Eurozone hat sich im Juni den zweiten Monat in Folge verlangsamt und ist so schwach ausgefallen wie zuletzt im Dezember 2013. Das geht aus der am Montag vom Londoner Markit-Institut veröffentlichten Schätzung für den Einkaufsmanagerindex hervor. Der Grund dafür liegt allerdings fast ausschließlich an Frankreich, wo die Wirtschaftsleistung wegen weiteren Produktionsrückgängen in der Industrie und Geschäftseinbußen im Servicesektor auf ein 4-Monatstief gesunken ist. Auch der Jobabbau hat sich in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone verstärkt.

In Deutschland expandierte die Wirtschaft dagegen weiterhin kräftig, allerdings mit einer leicht nachlassenden Dynamik. Der Composite-Einkaufsmanagerindex, welche die Industrieproduktion und die Geschäftstätigkeit im Servicesektor zusammenfasst, sank hier wegen verlangsamter Wachstumsraten in beiden Sektoren auf ein 8-Monatstief. Der Auftragszuwachs blieb nahezu auf dem Niveau des Vormonats und auch der Jobaufbau setzte sich fort.

Positiv sieht es in den Ländern der so genannten „Peripherie“ aus. In den übrigen von der Umfrage erfassten Eurozone-Ländern stieg die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt so stark wie zuletzt im August 2007 und der Auftragseingang legte so zügig zu wie seit Juli 2007 nicht mehr. Zwar bleibt der Jobaufbau in diesen Ländern verhalten, trotzdem entwickeln sich die Arbeitsmärkte so gut wie seit Anfang 2008 nicht mehr. Auch insgesamt betrachtet setzt sich der Jobaufbau in der Eurozone fort, allerdings weiterhin auf niedrigem Niveau.

Der in den letzten Monaten stets niedrige Preisdruck hat sich wieder erhöht und fiel so stark aus wie zuletzt im November 2013. Im Dienstleistungsbereich legten die Kosten sogar mit der höchsten Rate seit Dezember 2012 zu, während die Industrie erstmals seit Januar wieder steigende Einkaufspreise verzeichnet. Der Anstieg dürfte allerdings hauptsächlich auf die Ölpreise zurückzuführen sein. Aber auch die Verkaufspreise gingen insgesamt mit der niedrigsten Rate seit Beginn der Preissenkungen von 27 Monaten zurück. Während die Dienstleister ihre Angebotspreise minimal reduzierten, hat die Industrie diese sogar bereits zum zweiten Mal in Folge angehoben. Nach Ansicht des Markit-Instituts würden sich damit auch Deflationsgefahren „verflüchtigen“.

Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, sagte, dass die Eurozone im zweiten Quartal 2014 so stark gewachsen sei wie seit drei Jahren nicht mehr. „Dass der Composite-Einkaufsmanagerindex jedoch zum zweiten Mal hintereinander nachgab, deutet darauf hin, dass dem Aufschwung ein wenig die Puste ausgeht“. Das Hauptproblem sei nach wie vor die auseinander laufenden Entwicklungen innerhalb der Eurozone. Obwohl die Wachstumsrate im zweiten Quartal 2014 insgesamt wohl bei 0,4 Prozent liegen dürfte, würde sich abzeichnen, dass Frankreich nach der Stagnation im ersten Quartal wieder in die Rezession abgleite, während Deutschland um 0,7 Prozent oder sogar mehr zulegen könne. Am stärksten geht es aber außerhalb dieser beiden Länder bergauf. In der so genannten „Peripherie“ dürfte das Wirtschaftswachstum im laufenden Quartal so gut ausfallen wie zuletzt im dritten Quartal 2007.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone insgesamt veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da dann bereits rund 85 Prozent der Fragebögen ausgewertet sind und es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Die endgültigen Ergebnisse werden am 1. Juli für die Industrie und am 3. Juli für den Dienstleistungsbereich bekannt gegeben. Dann stehen insbesondere die anderen Eurozonen-Länder im Fokus, für welche es keine Vorabschätzung gegeben hat.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Übergeordnet befindet sich EUR/USD zwar noch in einem seit Juli 2012 anhaltenden Aufwärtstrend, durch welchen der Kurs ausgehend von 1,204 bis zu einem Hoch bei 1,3993 am 8. Mai dieses Jahres steigen konnte. Es könnte aber bald ein Test der leicht unter der wichtigen Unterstützung bei 1,3475 liegenden Aufwärtstrendlinie anstehen. Seit dem genannten Hoch von Anfang Mai ist nämlich eine deutliche Abwertung zu beobachten. Bereits am 5. Juni wurde dabei ein Tief bei 1,3501 erreicht, was der tiefste Stand seit Anfang Februar war. Eine anschließende Stabilisierung bis 1,3677 war nicht nachhaltig, sondern der Euro näherte sich erneut dem genannten Tief an. Zusätzlich negativ zu werten ist, dass inzwischen sowohl die 100- als auch die 200-Tageslinien nachhaltig unterschritten wurden. Zwar hat sich der Euro in den letzten Tagen etwas stabilisiert und konnte Ende der vergangenen Woche in der Spitze sogar bis 1,3643 steigen. Die Chartlage hat sich dadurch aber noch nicht merklich verbessert. Erst bei einem Anstieg über 1,3677 und die leicht darunter liegende 100-Tageslinie würde sich die Situation tatsächlich wieder aufhellen. Von einer möglichen Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends sollte sogar erst bei einem Anstieg über die ungefähr bei 1,3734 liegende 200-Tageslinie und über den Widerstand bei 1,3774 ausgegangen werden. Aus jetziger Sicht würde allerdings ein erneuter Euro-Abverkauf in den nächsten Tagen nicht überraschen. Wichtige Unterstützungen finden sich in diesem Fall bei den beiden genannten Bereichen bei 1,35 und 1,3475. Sollte auch dort keine Gegenbewegung gelingen und die Gemeinschaftswährung nachhaltig darunter fallen, könnte in den kommenden Wochen sogar eine Abwertung in Richtung 1,30 oder 1,28 folgen.

Tageschart EUR/USD (Stand Montag, 23.6.14, ca. 16:30 Uhr):
EURUSD

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