Eurozonen-Einkaufsmanagerindex: Konjunkturverlauf dürfte enttäuschend bleiben

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In der Eurozone scheint sich weiterhin keine wirtschaftliche Erholung einzustellen. Darauf deuten zumindest die Einkaufsmanagerindexe hin, für welche das Londoner Markit-Institut am Donnerstag Schnellschätzungen veröffentlicht hat. Sowohl im Industriebereich als auch im Dienstleistungsbereich ging es um jeweils 1,3 Punkte auf ein 3-Monatstief von jetzt 46,6 bzw. 46,5 Punkte nach unten. Dadurch sank auch der Composite-Index, welcher ein gewichteter Durchschnittswert darstellt, um 1,4 Punkte auf ein 4-Monatstief von 46,5 Punkten. Die Indexe entfernen sich damit wieder von der Wachstumsschwelle bei 50 Punkten. Bis auf ein minimales Wachstum im Januar 2012, ist die Wirtschaftsleistung der Eurozone nun bereits seit September 2011 rückläufig.

Die Unterschiede zwischen den beiden Schwergewichtsländern Deutschland und Frankreich bleiben erheblich. In Deutschland schwächte sich das Wirtschaftswachstum zwar überraschend ab. Der Industriebereich, welcher im vergangenen Monat erstmals seit einem Jahr wieder leicht über der Wachstumsschwelle lag, ist mit jetzt 48,9 Punkten wieder darunter gefallen und auch der Dienstleistungsbereich liegt mit 51,6 Punkten (Vormonat 54,9 Punkte) nur noch knapp darüber. Trotzdem ist insgesamt zum vierten Mal in Folge Wachstum vorhanden. In Frankreich beschleunigte sich dagegen die Talfahrt deutlich. Dort liegt der Industriebereich nur noch auf 43,9 Punkte (Vormonat 44,4 Punkte) und der Dienstleistungsbereich ist mit nur 41,9 Punkten (Vormonat 44,1 Punkte) sogar auf ein 4-Jahrestief gefallen. Zusammen betrachtet schrumpfte die Wirtschaftsleistung dort so stark wie seit März 2009 nicht mehr. Auch in den anderen Ländern der Eurozone beschleunigte sich die Talfahrt im Durchschnitt zum zweiten Mal hintereinander. Der entsprechende Composite Index sank auf den tiefsten Wert seit November.

Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, sagte, dass sich die Talfahrt der Eurozone im März wieder beschleunigt habe. Zwar hätte sich die Schrumpfungsrate voraussichtlich von 0,6 Prozent im vierten Quartal 2012 auf ca. 0,3 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres verringert und bei vielen Marktteilnehmern – inklusive der EZB – sei dadurch die Hoffnung aufgekommen, dass sich die Eurozone im zweiten Quartal 2013 stabilisieren wird. Nun würden sich aber wieder Krisenängste ausbreiten. Durch die Zypern-Krise dürfte sich außerdem das Geschäftsklima und das Verbrauchervertrauen inzwischen weiter eingetrübt haben, was sich im Einkaufsmanagerindex für den kommenden Monat bemerkbar machen könnte. Frankreich würde sich in der tiefsten Krise seit vier Jahren befinden. In Deutschland sei dagegen ein „ganz ansehnliches, wenngleich unspektakuläres Wirtschaftswachstum“ zu sehen. Trotzdem hätte sich auch in Deutschland die Konjunktur im März „schon wieder in Besorgnis erregendem Tempo abgeschwächt“.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da dann bereits rund 85 Prozent der Fragebögen ausgewertet sind und es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Die endgültigen Ergebnisse werden am Dienstag nach Ostern bekannt gegeben. Dann stehen insbesondere die Krisenländer Spanien und Italien im Fokus, da es für diese Länder keine Vorabschätzung gegeben hat.

Finanzmarktexperten bleiben zumindest für Deutschland optimistisch

Im Gegensatz zu den sich verschlechternden Einschätzungen der Einkaufsmanager, bleiben die Finanzmarktexperten auch im März für Deutschland unverändert optimistisch. Das zeigen die ebenfalls in der vergangenen Woche veröffentlichten Konjunkturerwartungen des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Nachdem der Indikator für Deutschland schon in den drei Vormonaten deutlich angestiegen war, konnte er sich diesmal mit einem erneuten kleinen Plus von 0,3 auf jetzt 48,5 Punkten auf dem höchsten Stand seit Anfang 2010 behaupten. Die Beurteilung der aktuellen Lage hat sich mit einem Plus von 8,4 Punkten auf jetzt 13,6 Punkten sogar nochmal deutlich verbessert. Ökonomen hatten angesichts der Patt-Situation nach den Wahlen in Italien eigentlich einen kleinen Rückgang erwartet. Bemerkbar macht sich Italien allerdings in den Erwartungen für die Eurozone. Die aktuelle Situation wird dort mit minus 76,1 Punkten (minus 0,5 gegenüber dem Vormonat) unverändert schlecht beurteilt, während die Konjunkturerwartungen mit einem Minus von 9,0 auf 33,4 Punkte deutlich rückläufig waren. Mit 44,6 Prozent geht zwar fast die Hälfte der Finanzmarktexperten davon aus, dass sich die konjunkturelle Situation im Euroraum in den kommenden sechs Monaten verbessern wird. Mit 44,2 Prozent erwarten allerdings fast genauso viele eine unverändert schlechte Lage. Immerhin geht nur eine Minderheit von 11,2 Prozent der Experten davon aus, dass sich die Situation noch weiter verschlechtern wird.

Gefahren sieht das ZEW durch die politische Lage in Italien und die Zypern-Krise. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Schuldenkrise im Euroraum dadurch erneut verschärft, wird mitgeteilt. Dies habe offenbar auch dazu beigetragen, dass der Indikator im aktuellen Monat nicht erneut deutlich zulegen konnte. „Die Finanzmarktexperten halten an ihrer Prognose fest: Die Konjunkturlage in Deutschland dürfte sich in den kommenden Monaten verbessern. Der größte Risikofaktor ist und bleibt die Schuldenkrise im Euroraum. Das haben auch die vergangenen Wochen gezeigt,“ kommentierte der neue ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

Obwohl der Dax und Dow nahe an historischen Höchstmarken liegen, gehen jeweils über 50 Prozent der Experten von weiter steigenden Kursen aus. Allerdings hat sich die Zahl um 6,0 Prozent beim Dax und 4,2 Prozent beim Dow leicht verringert. Für den Euro gegenüber dem Dollar prognostizieren 28,8 Prozent (plus 4,6 Prozent) der Experten einen in den kommenden sechs Monaten sinkenden Kurs. Mit 46,9 Prozent erwarten die meisten Umfrageteilnehmer allerdings eine Seitwärtsbewegung. Nur noch 24,3 Prozent (minus 10,2 Prozent) trauen dem Euro steigende Kurse zu. Auch gegenüber dem britischen Pfund mit 50,7 Prozent (plus 1,7 Prozent) und dem Schweizer Franken mit 72,6 Prozent (plus 13,2 Prozent) wird überwiegend eine Seitwärtsbewegung erwartet. Hier liegt die Anzahl derjenigen, welche einen sinkenden Euro-Kurse prognostizieren, mit 10,7 bzw. 6,8 Prozent allerdings noch deutlich niedriger. Gegenüber dem Yen wird weiter fest auf die extrem lockere Geldpolitik der japanischen Notenbank gebaut. Entsprechend prognostizieren mit 53,8 Prozent mehr als die Hälfte der Experten weiter steigende Kurse von EUR/JPY. Nur 8,5 Prozent gehen hier von einem in den kommenden sechs Monaten sinkenden Euro-Kurs aus.

An der Umfrage haben sich 245 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über deren Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

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