Eurozonen–Einkaufsmanagerindex: Die Stimmung hellt sich auf

Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Stabilisierung der Eurozone könnte berechtigt sein. Das zeigt der vom Londoner Markit Institut am Mittwoch veröffentlichte Composite-Einkaufsmangerindex, welcher sich gegenüber dem Vormonat um 0,8 auf 47,7 Punkte verbessern konnte. Der Industriebereich konnte dabei eine leichte Abschwächung im Dienstleistungsbereich mehr als ausgleichen. Damit bewegt sich der Index zwar weiterhin unter der Schwelle von 50 Punkten, ab welcher Wachstum signalisiert wird. Positiv fällt aber auf, dass sich die Entwicklung in Deutschland mit 50,2 Punkten stabilisiert hat und sich auch in den meisten anderen Ländern die Ergebnisse gegenüber dem Vormonat verbessert haben. Vor allem Spanien schnitt mit einem 23-Monatshoch von 47,2 Punkten überraschend gut ab. In Italien ist die Lage mit 46,6 Punkten unverändert, während die Wirtschaft in Frankreich mit 44,6 Punkten zwar weiterhin deutlich schrumpft. Allerdings stellt auch das französische Ergebnis ein 5-Monatshoch dar.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welche Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und 2000 Dienstleistungs-Unternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Der Composite Index ist ein gewichteter Mittelwert zwischen dem Index für die Industrie und dem für den Dienstleistungssektor.

Trotz der insgesamt besseren Stimmung bei den Unternehmen, sind in dem Ergebnis aber auch warnende Hinweise zu finden, dass sich die Geschäftsaussichten möglicherweise doch wieder verschlechtern könnte, betont das Markit-Institut. Vor allem wegen der anhaltenden Abnahme des Gesamtauftragseingangs, welcher sich bereits den 22. Monat in Folge verschlechtert habe, könne dies drohen. Außerdem habe sich der Beschäftigungsabbau zum 17. Mal in Folge fortgesetzt und dies erstmals seit vier Monaten auch wieder in Deutschland. Trotzdem verfügten zahlreiche Privatunternehmen immer noch über Kapazitätsüberschüsse, weshalb ihre Auftragsbestände weiter schrumpfen würden.

„Die Eurozone bleibt fest im Griff der längsten Rezession seit Einführung der Gemeinschaftswährung, welche sich im zweiten Quartal 2013 nunmehr auf sieben Quartale ausdehnt“, erklärte Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit. Die Umfrage-Ergebnisse würden auf einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,2 Prozent im laufenden Quartal hindeuten, womit sich der Trend des ersten Quartals weitgehend fortsetzen würde. Man könne sich zwar damit trösten, dass sich die Rückgangsrate den zweiten Monat in Folge verringert und die deutsche Wirtschaft wieder stabilisiert habe. „Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass es der Eurozone an jeglichen Wachstumsimpulsen mangelt und es dadurch unwahrscheinlich ist, dass die Region in der näheren Zukunft über eine Stabilisierung hinauskommt, sagte Williamson.

Hoffnung auf Stabilisierung in Spanien

Eine überraschend positive Entwicklung gab es im Krisenland Spanien. Der Industrie-Einkaufsmanagerindex stieg von 44,7 auf 48,1 Punkte und nähert sich damit der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Auch der Dienstleistungsbereich verbesserte sich von 44,4 auf 47,3 Punkte. Beide Ergebnisse übertrafen damit deutlich die Prognosen von Ökonomen, welche nur einen minimalen Anstieg erwartet hatten. Der gewichtete Composite-Wert erreicht ein 23-Monatshoch von 47,2 Punkten. Obwohl die Wirtschaft damit immer noch schrumpft, sieht Markit „Gründe für leichten Optimismus“. Die wirtschaftliche Aktivität würde sich mehr der Stabilisierung annähern, als irgendwann zuvor seit Mitte 2011. Da die positive Tendenz sowohl im Industrie-, als auch im Dienstleistungssektor zu beobachten sei, wäre dies vielleicht der Anfang um „etwas Licht am Ende des Tunnels zu sehen“.

Vom spanischen Arbeitsmarkt gab es bereits am Dienstag Positives zu berichten. Nach Angaben des Arbeitsministeriums ist die Zahl der Arbeitslosen im Mai um 98.000 auf jetzt 4,9 Millionen gesunken, während die Anzahl der neuen Beitragszahler in die Sozialversicherung um 134.000 gestiegen ist. Ökonomen hatten nur rund die Hälfte davon erwartet. Zwar ist der Mai für den spanischen Arbeitsmarkt immer ein guter Monat, da die Hochsaison im Tourismus beginnt. Diesmal gab es aber nicht nur im Dienstleistungssektor, sondern auch im Industriebereich, der Landwirtschaft und der Baubranche deutlich mehr Einstellungen. Das Arbeitsministerium sprach sogar vom „besten Mai seit 1997“. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy bezeichnete das Ergebnis als „Zeichen der Hoffnung“. Es handelte sich bereits um den dritten Monat in Folge mit einer sinkenden Arbeitslosigkeit. Trotz der positiven Entwicklung, bleibt die Situation auf dem Arbeitsmarkt des südeuropäischen Landes aber dramatisch. Das spanische Statistikamt, welche die Arbeitslosenquote vierteljährlich auf der Grundlage von Umfragen erfasst, nannte vor einem Monat noch 6 Millionen Arbeitslose, was einer Quote von rund 27 Prozent entspricht.  Diese Zahl wird als realistischer angesehen, da dort auch arbeitslose Menschen erfasst werden, welche sich auf Grund fehlender Vermittlungschancen und keinen zu erwartenden finanziellen Zuwendungen nicht arbeitslos gemeldet haben.

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