Eurozonen-Einkaufsmanagerindex: Die Erholung der Industrie nimmt an Fahrt auf

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Die Erholung der Industrie in der Eurozone hat sich im August verstärkt fortgesetzt. Das geht aus dem am Montag vom Londoner Markit-Institut veröffentlichten finalen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe hervor. Dieser stieg zum vierten Mal in Folge und erreichte mit jetzt 51,4 Punkten den höchsten Wert seit Juni 2011. Im Vormonat hatte der Index mit 50,3 Punkten erstmals seit 24 Monaten wieder die Schwelle von 50 Punkten überschritten, ab welcher Wachstum signalisiert wird.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und 2000 Dienstleistungs-Unternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone.

Im August stagnierte nur der französische Einkaufsmanagerindex gegenüber dem Vormonat mit 49,7 Punkten. Griechenland bildete mit 48,7 Punkten das Schlusslicht, wobei aber eine deutliche Entspannung zu beobachten war, da es sich um den höchsten Wert seit 44 Monaten handelte. Alle anderen Länder lagen über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und haben sich gegenüber dem Vormonat weiter verbessert. Spitzenreiter waren die Niederlande mit einem 27-Monatshoch von 53,5 Punkten. Österreich erreichte ein 18-Monatshoch von 52,0 Punkten, Irland ein 9-Monatshoch mit ebenfalls 52,0 Punkten und Deutschland ein 25-Monatshoch von 51,8 Punkten. Auch die Krisenländer Italien und Spanien festigten ihren Erholungskurs und liegen mit einem 27-Monatshoch von 51,3 Punkten (Italien) bzw. einem 29-Monatshoch von 51,1 Punkten (Spanien) ebenfalls im Wachstumsbereich.

Die Wachstumsraten für Produktion, Auftragseingang und Exportaufträge legten weiter zu und erreichten den höchsten Wert seit Mai 2011. Die Quote Auftragseingang/Fertigwarenlager erreichte dabei ein 28-Monatshoch. Das habe dazu beigetragen, dass die Hersteller ihre Geschäftsaussichten nach wie vor positiv einschätzen würden, teilte Markit mit. Bedingt durch die vermehrten Auftragseingänge hätten zudem die Unternehmen in den meisten Ländern ihre Produktionsleistung erhöht. Lediglich in Frankreich und Griechenland war dies nicht der Fall.

Mit Ausnahme eines Rückganges in Frankreich und einer Stagnation in Irland, wurde zudem in allen anderen Ländern ein anziehendes Exportgeschäft beobachtet. Besonders Spanien stach hier mit einem 32-Monatshoch hervor. Aber auch Italien und die Niederlande erreichten en 28-Monatshoch. Deutschland konnte in diesem Bereich einen fünfmonatigen Abwärtstrend beenden und verzeichnete ebenfalls wieder eine Zunahme der Exporte.

Trotz guter Entwicklung weiterer Stellenabbau

Die insgesamt gute Entwicklung konnte allerdings nicht für ein Ende des Stellenabbaus sorgen. Nur Irland konnte einen Beschäftigtenzuwachs vermelden. Ansonsten setzten sich die Stellenkürzungen bereits das 19. Mal in Folge fort. Durch einen vermehrten Abbau in Deutschland, Italien und Spanien ist die Entlassungsrate in der Eurozone insgesamt gegenüber Juli sogar angestiegen. Allerdings blieb diese trotzdem unter dem Durchschnitt der Negativ-Phase.

„Die Industrie der Eurozone zeigte im August weitere Anzeichen einer Erholung“, kommentierte Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, das Ergebnis. Zwar seien die Wachstumsraten noch relativ niedrig, aber dennoch auf dem höchsten Stand seit über zwei Jahren. Der Anstieg bei den Auftragseingängen würde zudem darauf schließen lassen, dass sich der Aufwärtstrend auch im September fortsetzten dürfte. Besonders ermutigend sei, dass die Erholung breit gefächert wäre und der Index in allen Ländern, mit Ausnahme von Frankreich und Griechenland, Wachstum anzeigen würde. Die meisten Länder erlebten dabei sogar die höchsten Wachstumsraten im Industriesektor seit über zwei Jahren und selbst in Griechenland habe sich der Rückgang zumindest deutlich abgeschwächt. Trotz der zusätzlichen Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung warnte Ökonom Williamson allerdings vor zu viel Euphorie. Denn die weiterhin geringe Einstellungsbereitschaft der Unternehmen, welche ihre Kosten senken mussten um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die steigenden Ölpreise auszugleichen, würden darauf hindeuten, „ dass noch einiges geschehen muss, bis sich die Konjunkturerholung durch ein ausreichendes Beschäftigungswachstum speisen kann“.

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