Eurozone: Negativtrend in der Wirtschaft hält an

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Wie aus dem am vergangenen Montag vom Londoner Markit Institut veröffentlichten finalen Einkaufsmanagerindex für April hervorgeht, hält der konjunkturelle Abwärtstrend in der Eurozone weiter an. Für den Composite-Index, welcher einen gewichteten Durchschnittswert aus dem Index Industrieproduktion und dem Index Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor darstellt, wurde ein Wert von 46,9 Punkten ermittelt. Der Index liegt damit bereits den 15. Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Allerdings lag der Wert 0,4 Punkte über der Vorabschätzung und ebenfalls 0,4 Punkte über dem März-Ergebnis. Die wirtschaftliche Talfahrt hat sich damit erstmals seit Januar leicht verlangsamt.

Auch Deutschland fiel mit 49,2 Punkten wieder unter die Wachstumsschwelle. Zuletzt war dies im November 2012 der Fall. Bei den anderen Kernländern Frankreich, Italien und Spanien hielt der Negativtrend an. Nur Irland lag mit 52,2 Punkten im Wachstumsbereich. Immerhin kann positiv angemerkt werden, dass sich die Situation in Frankreich und insbesondere Italien langsam zu bessern scheint. Frankreich lag mit 44,3 Punkten auf einem 4-Monatshoch und Italien erreichte mit 46,6 Punkten sogar ein 19-Monatshoch. Zudem haben sich in allen von der Umfrage erfassten Ländern der Eurozone die Einschätzungen der Unternehmer für die kommenden zwölf Monate leicht verbessert. Die Geschäftsaussichten sind dadurch auf ein 11-Monatshoch gestiegen. Man kann daher hoffen, dass der Tiefpunkt der Rezession bereits überschritten ist.

Im Einzelnen wurden für den Industriebereich 46,7 Punkte (März 46,5 Punkte) und für den Dienstleistungsbereich 47,0 Punkte (März 46,4 Punkte) ermittelt. Die Auftragseingänge haben im April bereits den fünften Monat in Folge abgenommen. Dies führte wiederum dazu, dass angesichts der schlechten Nachfrage die Unternehmen ihre ungenutzten Kapazitäten zur Abarbeitung unerledigter Aufträge verwendet haben, wodurch auch die Auftragsbestände deutlich zurückgegangen sind. Die schlechte Situation führte außerdem dazu, dass in der Eurozone bereits zum 16. Mal in Folge Arbeitsplätze abgebaut wurden. Lediglich in Deutschland erhöhte sich die Beschäftigung leicht.

Die Senkung des Leitzinses auf das Rekordtief von 0,5 Prozent, welches die Europäische Zentralbank vor einer Woche beschlossen hatte, dürfte die Krise nach Einschätzung des Markit-Instituts nicht beenden. Chris Williamson, Chefökonom von Markit, nannte es „fraglich, dass eine Reduzierung der ohnehin niedrigen Zinsen um 25 Basispunkte eine große Wirkung auf einen derart starken Abwärtstrend haben wird“. Das Ergebnis des Einkaufsmanagerindex würde darauf hindeuten, dass das Eurozonen-BIP auf Quartalsbasis um ca. 0,4 bis 0,5 Prozent gesunken ist.

Williamson erklärte, dass „der Nachfrageschwund auf dem Binnenmarkt“ durch die Rückgänge im Exportgeschäft noch verstärkt worden sei. Dies wäre durch die Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Ländern wie China und den USA ausgelöst worden. Angesichts der erneuten deutlichen Stellenkürzungen geht man außerdem davon aus, dass sich die Situation auf dem europäischen Arbeitsmarkt in der nächsten Zeit noch weiter verschärfen wird. Die Arbeitslosenquote war erst im März auf ein Rekordhoch von 12,1 Prozent gestiegen. In manchen Ländern wie Spanien und Griechenland liegt man noch weit über diesem Wert.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welche Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und 2000 Dienstleistungs-Unternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone.

 

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