Eurostat: Hohe Unterschiede im Pro-Kopf-Verbrauch

Teilen!

Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat den „tatsächlichen Individualverbrauch“ (TIV) innerhalb der Mitgliedstaaten der Europäischen Union verglichen und dabei erhebliche Unterschiede festgestellt. So liegt der TIV pro Kopf im Jahr 2014 in einzelnen Ländern zwischen 49 Prozent und 140 Prozent vom Durchschnittswert.

Der TIV besteht aus Gütern und Dienstleistungen, welche vom Haushalt konsumiert werden, unabhängig davon, ob diese Güter und Dienstleistungen von Haushalten, vom Staat oder anderen Organisationen erworben werden. Ausgedrückt wird der tatsächliche Individualverbrauch in „Kaufkraftstandard“ (KKS), einer Kunstwährung, welche die Unterschiede zwischen den Preisniveaus der einzelnen Ländern ausgleicht. Mit einem KKS kann man also in allen Ländern exakt die gleiche Menge an Waren oder Dienstleistungen kaufen. Dadurch sind aussagekräftige Vergleiche möglich.

Zehn EU-Länder verzeichneten im Jahr 2014 TIV-Werte pro Kopf, welche über dem Durchschnitt lagen. Spitzenreiter mit einem um 40 Prozent höheren Wert war Luxemburg. Danach folgen Deutschland und Österreich mit einem 23 bzw. 21 Prozent höheren TIV. Dänemark, Belgien, Schweden, Großbritannien, Finnland, Frankreich und die Niederlande erreichten Werte zwischen 10 und 15 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Norwegen und die Schweiz, welche nicht EU-Mitglieder sind, liegen 36 Prozent bzw. 29 Prozent über dem EU-Durchschnitt, würden sich in der Liste also direkt hinter Luxemburg auf Platz zwei und drei einreihen.

In zwölf Mitgliedstaaten liegt der TIV pro Kopf zwischen dem EU-Durchschnitt und 30 Prozent darunter. Italien, Irland, Zypern und Spanien weichen mit weniger als zehn Prozent nur leicht ab. Stärker fällt der Unterschied in Griechenland, Portugal und Litauen mit einem um 10 bis 20 Prozent niedrigeren Wert aus. Malta, die Tschechei, Polen, Slowenien und die Slowakei liegen 20 bis 30 Prozent darunter, während Estland, Lettland und Ungarn 30 bis 40 Prozent tiefere Werte aufweisen. Schlusslichter sind Kroatien mit einem 40 Prozent niedrigeren TIV, Rumänien mit 45 Prozent weniger und Bulgarien mit fast 50 Prozent weniger.

Gleichzeitig hat Eurostat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf gemessen, ebenfalls ausgedrückt in der Kunstwährung KKS. Auch hier ist Luxemburg mit 263 Prozent des EU-Durchschnitts mit Abstand Spitzenreiter. Dies ist allerdings auf den großen Anteil von Grenzgängern an der Gesamtzahl der Beschäftigten zurückzuführen. Diese tragen nämlich zum BIP bei, werden aber bei der für die Berechnung des BIP maßgeblichen Wohnbevölkerung nicht berücksichtigt.

Danach folgen Irland mit 132 Prozent vom Durchschnitt, die Niederlande mit 130 Prozent und Österreich mit 128 Prozent. Deutschland erreicht 124 Prozent. Der niedrigste Wert findet sich wiederum in Bulgarien mit nur 45 Prozent vom EU-Durchschnitt. Nicht viel höher liegen Rumänien mit 54 Prozent und Kroatien mit 59 Prozent. Die Nicht-EU-Länder Norwegen und Schweiz würden auch hier mit 179 Prozent bzw. 161 Prozent Spitzenplätze einnehmen.

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Europa, Finanznachrichten abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.