Europa verharrt in der Rezession, die Vorzeichen für die Weltwirtschaft bessern sich dagegen

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Schätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat verharrte Europa auch im ersten Quartal des Jahres in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist gegenüber dem Vorquartal in der Europäischen Union um 0,1 Prozent und in der Eurozone um 0,2 Prozent rückläufig gewesen. Immerhin hat sich die Rezession damit etwas abgeschwächt. Im vierten Quartal 2012 betrug das Minus noch 0,9 Prozent in der Eurozone bzw. 0,6 Prozent in der EU. Mit einem Minus von 1,0 Prozent im Euroraum bzw. 0,7 Prozent in der EU war der Rückgang im Vergleich zum ersten Quartal 2012 noch größer. Die Eurozone kann damit bereits seit dem vierten Quartal 2011 kein Wachstum mehr aufweisen. Im ersten Quartal 2012 gab es eine Stagnation von 0,0 Prozent. In allen anderen Quartalen musste ein Minus verzeichnet werden.

Auch bei Betrachtung der einzelnen Länder überwiegen negative Nachrichten. In Österreich stagniert das Wachstum nun schon rund ein Jahr um die Null-Linie herum. Das hat sich auch im ersten Quartal dieses Jahres mit einem BIP-Wachstum von 0,0 Prozent nicht geändert. Damit gehört man aber schon zu den „besseren“ Ländern. Denn die Krisenländer der Peripherie bleiben allesamt in der Rezession. Für Portugal ging es mit einem Minus von 0,3 Prozent bereits das zehnte Mal in Folge nach unten. In Italien war mit minus 0,5 Prozent der siebte Quartalsverlust in Folge zu beklagen. Auch Spanien verzeichnet ein Minus von 0,5 Prozent und Zypern sogar von 1,3 Prozent. Am stärksten bleibt die Rezession in Griechenland. Dort wurden zwar keine Zahlen im Quartals-Vergleich veröffentlicht. Gegenüber dem ersten Quartal 2012 ging es aber um 5,3 Prozent abwärts.

Auch Schwergewichtsländer weisen schlechte Ergebnisse aus

Auch in den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone, Frankreich und Deutschland, sah es nicht gut aus. In Frankreich ist das BIP um 0,2 Prozent rückläufig gewesen. Da bereits im vierten Quartal 2012 einen Rückgang um 0,2 Prozent zu beklagen war, befindet sich das Land damit nach technischer Definition in der Rezession. Immerhin konnte das Schlussquartal 2012 leicht nach oben revidiert werden, da man bisher von minus 0,3 Prozent ausgegangen war.

In Deutschland musste dagegen das schlechte vierte Quartal 2012 nochmal um 0,1 Prozent auf minus 0,7 Prozent nach unten revidiert werden. Dafür wird man aber laut der Schätzung eine Rezession vermeiden und in den ersten drei Monaten des Jahres ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent verzeichnen können. Ökonomen hatten allerdings mit 0,3 Prozent etwas mehr prognostiziert. Das deutsche Statistikamt macht für das schlechte Abschneiden insbesondere die sehr winterliche Witterung verantwortlich, welche besonders die Bautätigkeit und Industrieproduktion gehemmt hat. Aber auch der negative Trend des Jahres 2012 bei den Investitionen habe sich fortgesetzt, da wiederum weniger investiert worden wäre, als im vorangegangenen Quartal. Zusätzlich hätte auch der Außenbeitrag nicht zum Wirtschaftswachstum beitragen können, da sowohl der Import, als auch der Export gleichzeitig rückläufig waren. Dass Deutschland dennoch eine Rezession vermeiden konnte lag damit ausschließlich am privaten Konsum, welcher sich zu Jahresbeginn erhöht hat. Ökonomen sind sich aber einig, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal wieder wesentlich stärker wachsen wird.

Vorzeichen für die Weltwirtschaft verbessern sich

In der Weltwirtschaft scheint es dagegen aufwärts zu gehen, was letztendlich auch der europäischen Konjunktur zugute kommen könnte. Das vom Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) ebenfalls am Mittwoch veröffentlichte Weltwirtschaftsklima konnte gegenüber dem Vorquartal um 2,7 auf 96,8 Punkte steigen. Damit liegt der Index leicht über seinem langfristigen Durchschnitt von 96,0 Punkten. Die Lage wird mit 84,1 Punkten zwar weiterhin als nicht so günstig angesehen. Dafür sind die Erwartungen mit 108,8 Punkten aber recht hoch, was eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in den kommenden Monaten anzeigt. Laut dem ifo Institut hat sich insbesondere in Asien die Situation deutlich aufgehellt. Dort ist sowohl die Bewertung der aktuellen Lage, als auch die Erwartungshaltung stark angestiegen und haben ihren höchsten Stand seit Ende 2010 erreicht. In Nordamerika wird die Situation erneut etwas besser, aber immer noch unter der Zufriedenheitsmarke, beurteilt. Außerdem ist man bezüglich der nächsten sechs Monate wieder etwas pessimistischer geworden. In Westeuropa sieht man die konjunkturelle Situation dagegen kaum verändert ungünstig. Aber auch hier sind die Erwartungen für die kommenden Monate positiver geworden.

Für das ifo Weltwirtschaftsklima sind in Zusammenarbeit mit der Internationalen Handelskammer in Paris (ICC) im April 1.178 Experten aus 125 Ländern zur Konjunkturentwicklung und zu anderen Wirtschaftsdaten in ihrem jeweiligen Land befragt worden.

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