EUR/CAD: BoC lässt Leitzins bei 1,0 Prozent

Die Bank of Canada (BoC) hat auf ihrer geldpolitischen Sitzung am Mittwoch den Leitzins unverändert auf dem bereits seit September 2010 gültigen Wert von 1,0 Prozent belassen. Ökonomen hatten die Entscheidung so erwartet. Laut dem begleitenden Statement sei die Verbraucherpreis-Inflation in den letzten Monaten zwar schneller in Richtung des 2-Prozent-Zieles der Notenbank gestiegen, als man bisher prognostiziert hatte. Dies sei allerdings in erster Linie auf temporäre Effekte durch die höheren Energiepreise zurückzuführen. Die Kerninflation, bei welcher die oft stark schwankenden Energiepreise und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt werden, bleibe dagegen deutlich unter zwei Prozent. Zudem würden die Konjunkturflaute und ein erhöhter Wettbewerb im Einzelhandel immer noch Abwärtsdruck ausüben. Die BoC prognostiziert weiterhin, dass das Inflationsziel von zwei Prozent nachhaltig erst im Jahr 2016 erreicht wird.

Das Wachstum der Weltwirtschaft würde derzeit geringer ausfallen, als man bei der letzten Prognose im April angenommen habe. Die schlechte Wirtschaftsleistung der letzten Jahre sei auf Auswirkungen des privaten Schuldenabbaus, Haushaltskonsolidierungen und vor allem der anhaltenden Unsicherheit bei den Firmen zurückzuführen, welche den Handel beeinträchtige und diese von Investitionen abhalte. Man bleibe aber der Ansicht, dass das globale Wachstum an Fahrt gewinne, da der Gegenwind langsam abklinge.

Da man die globalen Aussichten herabstufen musste, dürfte sich auch die Wirtschaftstätigkeit in Kanada ein wenig schwächer entwickeln, als bisher prognostiziert. Dennoch dürfte der inzwischen etwas abgewertete kanadische Dollar und die erwartete Stärkung der globalen Nachfrage auch die kanadischen Exporte wieder beleben, die Unternehmen dadurch zu mehr Investitionen bewegen und somit die kanadische Konjunktur auf einen nachhaltigeren Wachstumspfad führen.

Für das laufende Jahr wird ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 2,2 Prozent und im Jahr 2015 um 2,4 Prozent erwartet. Bei der vorangegangenen Schätzung aus April ging man noch von 2,3 bzw. 2,5 Prozent aus. Für 2016 wird ein Wachstum von 2,3 Prozent prognostiziert, nachdem man bisher nur 2,2 Prozent erwartet hatte.

Dass die Konjunktur sich nachhaltig belebt sei abhängig von stärkeren Exporten und Unternehmensinvestitionen, aber auch von einer anhaltend stimulierenden Geldpolitik. Die Risiken, welche mit Haushaltsungleichgewichten verbunden seien, hätten sich in der letzten Zeit sogar noch erhöht. Unter diesen Gesichtspunkten habe man sich entschieden den Leitzins unverändert bei 1,0 Prozent zu belassen.

Der Zeitpunkt und die Richtung der nächsten Änderung des Leitzinses würde von der weiteren Entwicklung bestimmt werden. Die nächste geldpolitische Sitzung wird am 3. September stattfinden. Aktualisierte Prognosen zur weiteren Entwicklung der Konjunktur und Inflation werden aber erst bei der übernächsten Sitzung am 22. Oktober veröffentlicht. Die meisten Experten gehen davon aus, dass der Leitzins noch längere Zeit auf dem aktuellen Niveau bleibt.

Charttechnische Betrachtung von EUR/CAD:

Im Jahr 2008 lag EUR/CAD zeitweise bei 1,75. In der Finanz- und dann Eurokrise verlor der Euro kontinuierlich bis zu einem Tief bei nur noch 1,2122 im August 2012. Von dort drehte die Gemeinschaftswährung wieder nach oben und befand sich übergeordnet mehr als 1,5 Jahre in einem Aufwärtstrend. Mitte März wurde ein Hoch bei 1,5586 erreicht, was der höchste Stand seit Dezember 2009 war. Seitdem wertet der Euro aber sukzessive ab, hat inzwischen die langfristige Aufwärtstrendlinie erreicht und diese kurzfristig sogar mehrfach leicht unterschritten. Auch aktuell liegt der Kurs fast genau auf dieser Trendlinie (Stand Mittwoch, 16.7.2014, ca. 18:30 Uhr). Das Währungspaar befindet sich damit in einer entscheidenden Situation. Sollte der Euro nun weiter abwerten, würde sich die Situation auch übergeordnet nachhaltig eintrüben. Insbesondere bei einem Fall unter das Tief vom 4. Juli bei 1,4433 und anschließend unter die wichtige Unterstützung bei 1,44 müsste in den nächsten Wochen von einer deutlichen Abwertung bis zumindest 1,40; 1,38 und möglicherweise 1,36 ausgegangen werden. Für eine nachhaltige Erholung dagegen müsste nicht nur ein Anstieg über das Hoch von dieser Woche bei 1,4652 gelingen, sondern anschließend insbesondere auch eine Rückkehr über 1,48. Leicht darunter verläuft derzeit auch die 200-Tageslinie. Erst dann wäre das Chartbild wieder bullish zu bewerten und oberhalb von dem Bereich 1,50/1,505 könnte auch eine Fortsetzung des Aufwärtstrends mit Zielen bei 1,56 und dann 1,60 folgen.

Tageschart EUR/CAD (Stand Mittwoch, 16.7.14,ca. 18:30 Uhr):
EURCAD

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