Deutschland: ZEW-Index trübt sich überraschend ein

Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland haben sich im Juli etwas verschlechtert. Das teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Der Index verringerte sich gegenüber dem Vormonat um 2,2 auf jetzt 36,3 Punkte. Experten hatten dagegen einen Anstieg auf rund 40 Punkte erwartet. Die Konjunkturerwartungen sind damit nach zwei Anstiegen in Folge wieder exakt auf den April-Wert zurückgefallen, auf welchen sie damals insbesondere wegen der Zypern-Krise gesunken waren. Im März lagen die Erwartungen mit 48,5 Punkten noch auf einem 35-Monatshoch. Dennoch zeigt auch das jetzige Ergebnis weiterhin viel Optimismus. Erst ein negativer Indikator würde das Gegenteil bedeuten. Zudem liegt der Wert deutlich über seinem langjährigen Durchschnitt von 23,7 Punkten.

„Die Finanzmarktexperten bleiben bei Ihrer insgesamt positiven Prognose. Das verdeutlicht ihr Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der deutschen Konjunktur trotz der zuletzt schwachen Zahlen zu Industrieproduktion und Außenhandel“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

An der Umfrage haben sich 256 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Die aktuelle konjunkturelle Lage wird für Deutschland etwas besser beurteilt. Dieser Indikator legte um 2,0 auf 10,6 Punkte zu. Nur 8,3 Prozent der Umfrageteilnehmer bezeichnen die gegenwärtige Situation als „schlecht“. Der schon im Vormonat geringe Wert hat sich damit nochmals um 1,5 Prozent verringert. 72,8 Prozent (+ 1,0 Prozent gegenüber Juni) bewerten die Lage als „normal“ und 18,9 Prozent (+ 0,5 Prozent) als „gut“.

Wesentlich schlechter wird die wirtschaftliche Situation für die Eurozone insgesamt bewertet. Nicht ein einziger der Finanzexperten bezeichnet die Lage als „gut“, 74,7 Prozent dagegen als „schlecht“. Der Rest von 25,3 Prozent sieht die Situation als „normal“ an. Der Indexwert konnte sich aber immerhin um 4,8 auf nun minus 74,7 Punkte leicht verbessern. Durchaus optimistisch ist man für die weitere Entwicklung den kommenden sechs Monaten. Lediglich 9,4 Prozent erwarten eine weitere Verschärfung der Rezession. 42,3 Prozent prognostizieren dagegen eine Verbesserung, während 48,2 Prozent von einer unveränderten Lage ausgehen. Der Indexwert konnte sich damit um 2,2 auf plus 32,8 Punkte verbessern.

Am schlechtesten bewerten die Experten die aktuelle Situation in Italien und Frankreich. Für diese beiden Länder zeigt sich die Mehrheit auch für die kommenden sechs Monate skeptisch. Für Großbritannien ist man ebenfalls wenig optimistisch, wenn auch nicht so ausgeprägt, wie bei den anderen beiden genannten Ländern.

Durchweg positiv sieht man die weitere Entwicklung von Aktien. Vor allem in den Wachstumsländern soll der jeweilige Leitindex, obwohl dort zumeist bereits auf einem hohen Niveau, weiter steigen. Für den Dax erwarten dies 61,7 Prozent, für den Dow Jones 60,4 Prozent und für den japanischen Nikkei 54,5 Prozent. Die Anzahl der Optimisten hat hier gegenüber dem Vormonat sogar jeweils nochmal zugenommen. Aber auch für andere Indexe ist die Anzahl der Pessimisten sehr gering und hat sich gegenüber dem Vormonat ohne Ausnahme erneut verringert.

Pessimistisch beurteilt man dagegen die weitere Entwicklung des Euros gegenüber dem Dollar. Nur 12,1 Prozent erwarten einen steigenden Kurs von EUR/USD in den kommenden sechs Monaten, während die Mehrheit von 55,4 Prozent eine Euro-Abwertung prognostiziert. Der Rest geht von einer Seitwärtsbewegung aus. Sollte die Mehrheit Recht behalten, könnten sich die Export-Chancen der europäischen Unternehmen verbessern, was angesichts der Rezession nicht ungelegen kommen würde.

Gegenüber dem Yen, dem britischen Pfund und dem Schweizer Franken prognostizieren die meisten Experten eine Seitwärtsbewegung. Bei EUR/JPY ist das Ergebnis allerdings recht knapp. Während 45,1 Prozent für dieses Währungspaar keine größere Kursveränderung in den kommenden sechs Monaten erwarten, ist die Anzahl an Prognosen eines aufwertenden Euros mit 42,5 Prozent nur leicht geringer. Hier macht sich schon seit einiger Zeit die extrem expansive japanische Geldpolitik bemerkbar.

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