Deutschland: Verbraucher bleiben optimistisch

Obwohl sich weite Teile der Eurozone in der Rezession befinden und sich auch die Vorzeichen für die deutsche Konjunktur zuletzt eingetrübt haben, bleibt die Verbraucherstimmung in Deutschland robust. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Konsumklimastudie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk) hervor. Der für Mai prognostizierte Index stieg auf 6,2 Punkte und somit auf den höchsten Stand seit Oktober vergangenen Jahres. Ökonomen hatten nur 5,9 Punkte erwartet. Zudem wurde der Vormonat um 0,1 auf 6,0 Punkte nach oben revidiert. Sowohl die Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung ist gestiegen.

Trotz der positiven Entwicklung war erstmals in diesem Jahr die Konjunkturerwartung allerdings leicht rückläufig. Dieser Indikator verlor 2,1 Punkte auf nun minus 0,5 Punkte. Ein negativer Wert bedeutet dabei, dass er sich unter seinem langjährigen Durchschnitt befindet. Die Gfk führt dies auf die Meldungen zurück, nach denen die Eurozone auch in diesem Jahr in der Rezession verharren wird. Das würde auch den Konjunkturoptimismus der Deutschen bremsen, da diese zunehmend den Eindruck gewinnen würden, dass die für dieses Jahr vorhergesagte Konjunktur-Belebung nur schleppend verlaufen oder sogar ganz ausbleiben könnte. Die Prognose der Verbraucher deckt sich mit den Einschätzungen der deutschen Unternehmen. Dies hatten zuletzt der schlechter ausgefallene Einkaufsmanagerindex und das ifo Geschäftsklima gezeigt.

Ganz anders sieht es dagegen bei der Einkommenserwartung aus. Nach zwei Monaten mit leichten Abschlägen, konnte der Indikator um 1,4 auf 30,8 Punkte steigen und bestätigt damit sein ohnehin hohes Niveau. Laut Gfk würden die deutschen Verbraucher bezüglich ihrer persönlichen finanziellen Entwicklung „überaus optimistisch“ bleiben, „auch wenn der internationale Gegenwind zunimmt“. Man sei sich einig, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt stabil bleibt und kein signifikanter Anstieg der Arbeitslosigkeit zu befürchten sei. Die Gfk führte dies auch auf die bereits getätigten Tarifabschlüsse zurück, durch welche viele Beschäftigte Einkommenszuwächse in einer Größenordnung von rund drei Prozent zu erwarten hätten. Angesichts einer prognostizierten Inflationsrate von etwas unter zwei Prozent, würde so also rund ein Prozent mehr Geld übrig bleiben.

Die gute Einkommenserwartung in Verbindung mit der niedrigen Inflationsrate, bei gleichzeitig stabiler Arbeitsmarktlage, führt dazu, dass auch die Anschaffungsneigung um 1,4 auf 37,6 Punkte steigen konnte. Das ist der höchste Wert seit über einem Jahr und rund zehn Punkte mehr, als im Mai 2012.

Trotz der Eskalation der Schuldenkrise in Zypern und der rückläufigen Konjunkturerwartungen, würde sich die Stimmung der Verbraucher weiterhin „überaus robust“ zeigen. „Anscheinend betrachten die Konsumenten angesichts stabiler Arbeitsmarktzahlen und Einkommenssteigerungen ihre eigene wirtschaftliche Situation als nicht gefährdet“, erklärte die Gfk. Zu verdanken habe das Konsumklima seinen gegenwärtigen Aufwärtstrend aber auch der niedrigen Sparneigung, welche auf einen historischen Tiefstand gesunken sei. „Die Zwangsabgabe in Zypern hat somit auch die bundesdeutschen Sparer in ihrem Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen erschüttert.“ Die Verunsicherung gegenüber den Finanzmärkten würde dafür sorgen, dass man sein Geld lieber in werthaltige Anschaffungen investiere, anstatt es auf der Bank liegen zu lassen. Dies würde zusätzlich noch durch die historisch niedrigen Zinsen verstärkt, welche nicht einmal die Inflation kompensieren.

Die Gfk lässt es offen, ob sich die positive Entwicklung auch in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Neben der weiteren Entwicklung in der Schuldenkrise, sei dafür der Arbeitsmarkt entscheidend. Würde dieser stabil bleiben, wäre auch die Voraussetzung für steigende Einkommen vorhanden. In Verbindung mit einer moderaten Inflation sei dies die Voraussetzung für ein stabiles Konsumklima. Sollte sich die Eurokrise allerdings erneut verschärfen, würde auch dem Konsum ein schwieriges Jahr bevorstehen.

Das Gfk-Konsumklima ist ein stark beachteter Indikator für die weitere konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Bereits seit 1980 werden für diesen monatlich rund 2.000 Verbraucher ab 14 Jahren nach ihren Einkommens- und Konsumerwartungen für die kommenden zwölf Monate befragt. Außerdem wird die Anschaffungsneigung und die Erwartungen an die weitere konjunkturelle Entwicklung ermittelt.

 

 

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