Bundesbank warnt Japan vor konjunkturellem Strohfeuer

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In ihrem Monatsbericht für August hat die Deutsche Bundesbank unter anderem die Effekte der neuen Wirtschaftspolitik in Japan untersucht und warnt dabei vor einem konjunkturellen „Strohfeuer“. Hintergrund ist die Neuausrichtung der Wirtschafts- und Geldpolitik unter dem seit Dezember im Amt befindlichen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Die Notenbank hat das Inflationsziel des seit Jahren unter einer Deflation leidenden Landes auf zwei Prozent verdoppelt und dafür die schon vorher expansive Geldpolitik nochmals erheblich ausgeweitet. So soll mit einem zeitlich unbefristeten Anleihenkaufprogramm die durchschnittliche Restlaufzeit der Anleihebestände verlängert, die Gewichtung stärker auf risikobehaftete Wertpapiere gelenkt und die Geldbasis verdoppelt werden. Gleichzeitig hatte die Regierung bereits im Februar einen Nachtragshaushalt beschlossen und darin Ausgaben in Höhe von 13,1 Billionen Yen vorgesehen. Die Bundesbank schätzt, dass allein dadurch ein Anstieg des japanischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,25 Prozent bewirkt wird. Dies deckt sich mit einer ähnlichen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die Deutsche Bundesbank präsentierte in ihrem Monatsbericht nun die Ergebnisse von Simulationsstudien, welche auf dem Weltwirtschaftsmodell NiGEM des National Institute of Economic and Social Research (NIESR) basieren. Dieses zeichnet sich sowohl durch eine detaillierte Modellierung der japanischen Volkswirtschaft, als auch durch eine gute Abbildung internationaler Einflüsse aus. Die simulierten Impulse orientieren sich dabei an den ergriffenen Maßnahmen. Das Inflationsziel wird entsprechend um ein Prozent angehoben. Außerdem wird davon ausgegangen, dass die eingeschlagene Geldpolitik eine zeitweise Absenkung der Risikoaufschläge bewirkt.

Das Ergebnis der Studie prognostiziert zunächst eine erhebliche konjunkturelle Stimulierung in Japan. Das BIP soll demnach allein in 2013 um 1,25 Prozent stärker wachsen, als es ohne die Maßnahmen der Fall gewesen wäre. Auch in 2014 verbleibt ein positiver Wachstumseffekt, wenn auch wesentlich geringer. Doch schon ab 2015 soll davon nichts mehr zu spüren sein. „Mittelfristig entpuppt sich diese Entwicklung aber als konjunkturelles Strohfeuer, dessen Erlöschen die Wirtschaft ab 2015 tendenziell belastet“, teilt die Bundesbank mit.

Im Einzelnen zeigen die Ergebnisse, das zunächst die Maßnahmen der Politik für deutliches Wachstum sorgen. Kurzfristig wird dabei aufgrundder Subventionen auch die Binnennachfrage angeregt. Dieser Effekt kehrt sich aber bereits im kommenden Jahr um und bremst ab dann das Wachstum spürbar. Die geldpolitischen Maßnahmen entfalten ihre Wirkung dagegen langsamer und sorgen drei Jahre lang für ein stärkeres BIP-Wachstum, bevor auch hier eine Gegenbewegung einsetzt. Aufgrund der ebenfalls durch die Maßnahmen verursachten Yen-Abwertung fungiert anfänglich insbesondere der Außenhandel als Stütze der Konjunktur. Aber auch die Aktienkurse dürften deutlich ansteigen, was zu entsprechenden positiven Vermögenseffekten führt und den privaten Konsum ankurbelt.

Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die ergriffenen Maßnahmen durchaus dazu geeignet seien die Teuerungsrate langfristig im Einklang mit dem neuen Inflationsziel zu erhöhen und die Wirtschaft kurzfristig zu stimulieren. Allerdings gebe es bereits hier Risiken. So spiegelten die Ergebnisse nur die Modell-Annahmen wie beispielsweise glaubwürdiger geldpolitischer Entscheidungsträger oder eine zielkonforme Verankerung der Inflationserwartung wieder. Ob das gewahrt bleibt, muss abgewartet werden. So könne beispielsweise eine Einflussnahme der Regierung auf die geldpolitische Ausrichtung auch zu einer Veränderung der Meinungsbildung der wirtschaftlichen Akteure führen. Die Bundesbank warnt in diesem Zusammenhang insbesondere davor die Unabhängigkeit der Notenbank infrage zu stellen. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass eine solche Vorgehensweise die bestehenden Erwartungsbildungsprozesse erheblich ändern würden. Solche Möglichkeiten seien in der Studie nicht berücksichtigt worden.

Kritisch sieht die Bundesbank zudem den Zeitpunkt der stimulierenden Maßnahmen, da sich da bereits Anzeichen für eine selbsttragende konjunkturelle Besserung gezeigt hätten. Außerdem würde das voraussichtliche Auslaufen der BIP-steigernden Maßnahmen mit der für April 2014 vorgesehenen ersten Stufe der MwSt.-Erhöhung zusammenfallen, was die Konjunkturausschläge noch verstärken könnte, anstatt sie zu glätten. Zudem würden erhebliche fiskalische Risiken entstehen, da die bereits sehr hohe öffentliche Verschuldung nochmals ausgeweitet und dadurch auch der Handlungsspielraum für künftige Programme eingeengt wird. Umso wichtiger sei es nun, dass die ebenfalls von der japanischen Regierung angekündigten umfangreichen Reformen nun auch zügig umgesetzt würden.

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