BoE sorgt sich um ihre Glaubwürdigkeit

Der Ende Juni aus dem Amt scheidende Gouverneur der Bank of England (BoE), Mervyn King, konnte sich bei der letzten geldpolitischen Sitzung vom 6. und 7. März mit seiner Forderung nach einer weiteren geldpolitischen Lockerung erneut nicht durchsetzen. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Sitzungsprotokoll hervor. Genauso wie schon einen Monat zuvor, stimmte King zusammen mit David Miles und Paul Fisher für eine Anhebung des derzeit bei 375 Milliarden Pfund liegenden Volumens der Anleihenkäufe um weitere 25 Milliarden Pfund. Im Moment ruht das Programm faktisch, da das bisherige Volumen bereits im Dezember erreicht wurde. Die anderen sechs stimmberechtigten Mitglieder stimmten aber gegen eine neue Ausweitung. Die Mehrheit des Ausschusses würde befürchten, dass weitere Käufe „zu einer Aufwärtsbewegung der Inflationserwartungen führen könnte“, wird mitgeteilt. Außerdem befürchtet man, dies „könne einen nicht gerechtfertigten Rückgang des Sterlings auslösen, wenn es als mangelnde Bereitschaft zur Gewährleistung einer auf mittlere Sicht niedrigen Teuerungsrate missverstanden würde“. Die Inflationsrate lag im Februar bei 2,8 Prozent. Das war der höchste Stand seit Juni und bereits der 39. Monat in Folge über dem Inflationsziel von etwas unter 2,0 Prozent.

Regierung gibt der BoE mehr Spielraum und senkt gleichzeitig die BIP-Prognose

Ebenfalls in der vergangenen Woche hat die britische Regierung die Vorgaben für die Notenbank leicht abgeändert. Zwar wird das Inflationsziel unverändert beibehalten, die Notenbank wird aber mehr Zeit erhalten, um dieses zu erreichen. Das Ziel sei zwar immer noch das gleiche, „aber wir haben in den vergangenen fünf Jahren gesehen, dass eine niedrige und stabile Inflation zwar eine notwendige, aber keine ausreichende Bedingung für Wohlstand ist“, erklärte Schatzkanzler George Osborne vor dem Parlament. Im gegenwärtigen Umfeld würde ansonsten wirtschaftlicher Schaden drohen. Außerdem regt Osborne an, dass die BoE auch unkonventionelle Maßnahmen verwendet. Die britische Zentralbank hat, anders als die EZB, nicht nur die Aufgabe der Preisstabilität, sondern soll auch die Wirtschaft unterstützen. Und trotz aller Maßnahmen ist es bisher nicht gelungen das Land wirtschaftlich wieder auf Kurs zu bringen. Schatzminister Osborne erwartet zwar keine Rückkehr in die Rezession, wie er sagte. Trotzdem musste die Wachstumsprognose für 2003 von 1,2 auf jetzt 0,6 Prozent halbiert werden. Für 2014 erwartet man noch 2,0 Prozent, gegenüber 1,8 Prozent bei der letzten Schätzung. Erst ab 2015 soll das Wachstum wieder kontinuierlich über zwei Prozent liegen.

 

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