Bank of Japan übertrifft die Erwartungen

Die Bank of Japan (BoJ) hat bei ihrer zweitägigen geldpolitischen Sitzung die Geldpolitik erneut erheblich ausgeweitet. Das war keine Überraschung. Vielmehr waren die Erwartungen an die Notenbank so hoch, dass einige im Vorfeld sogar von erheblichem Enttäuschungspotenzial gesprochen hatten. Der neue BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda wollte bei der ersten Notenbank-Sitzung unter seiner Leitung aber offensichtlich ein Zeichen setzen und hat die Analysten-Prognosen deutlich übertroffen. Ab sofort sollen jährlich Anleihen im Umfang von 50 Billionen Yen (mehr als 400 Milliarden Euro) erworben werden. Experten hatten lediglich mit 15 bis 20 Billionen Yen gerechnet. Auf diesem Weg soll der Bestand innerhalb von zwei Jahren verdoppelt werden. In Zukunft werden so monatlich Staatsanleihen für rund 7 Billionen Yen gekauft. Bisher waren es monatlich nur 3,8 Billionen Yen.

Außerdem soll die Laufzeit der Anleihen ab sofort nicht mehr auf drei Jahre begrenzt sein, sondern auch längerer Laufzeiten bis zu 40 Jahren erworben werden. Die durchschnittliche Laufzeit im Bestand der Notenbank soll sich dadurch auf sieben Jahre erhöhen. Eine weitere gravierende Änderung ist, dass nicht nur der Bestand an Staatsanleihen, sondern auch an börsennotierten Fonds verdoppelt werden soll.

Der Leitzins liegt bereits seit Jahren quasi bei Null und wurde auch diesmal in der Spanne zwischen 0 bis 0,1 Prozent belassen. In Zukunft soll der Leitzins aber ohnehin nicht mehr die maßgebliche Kenngröße für die Geldpolitik sein, sondern die Geldmenge M0 im Mittelpunkt stehen. „Die Bank of Japan wird die geldpolitische Operationen so durchführen, dass die Geldbasis jährlich um 60-70 Billionen Yen steigt“, wurde mitgeteilt. Mit einer regelrechten Geldschwemme soll also die Deflation besiegt, die Konjunktur angekurbelt, der Yen geschwächt und wohl auch die Aktienmärkte bewusst zum Steigen gebracht werden.

Japan befindet sich seit 15 Jahren in der Deflation. Dies belastet die Wirtschaft stark, da Unternehmen und Verbraucher wegen den sinkenden Preisen kaum investieren. Notenbank-Gouverneur Kuroda bekräftigte „alles zu tun, was nötig ist“, um das selbst gesetzte und für japanische Verhältnisse sehr ambitionierte Inflationsziel von zwei Prozent innerhalb von nur zwei Jahren zu erreichen. Die lockere Geldpolitik werde bis zum Erreichen der Ziele fortgesetzt.

Kuroda erklärte, dass die Entscheidung in Zukunft auch Anleihen mit längerer Laufzeit zu kaufen einstimmig im neunköpfigen Rat gefällt wurde. Ansonsten gab es gegen die neue geldpolitische Lockerung nur eine Gegenstimme. Ratsmitglied Takahide Kiuchi sprach sich dafür aus, das erst vor kurzem erhöhte Inflationsziel wieder aufzugeben. Auch hier hatten Experten im Vorfeld nicht erwartet, dass sich die Ratsmitglieder in der Frage dieser erheblichen geldpolitischen Schritte dermaßen einig sind.

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