Bank of England: Anleihenkäufe bleiben umstritten

Der geldpolitische Ausschuss (MPC) der Bank of England (BoE) ist sich weiterhin nicht einig, ob das derzeit bei 375 Milliarden Pfund (und seit Ende Oktober ausgeschöpfte) Volumen der Anleihenkäufe ausgeweitet werden soll. Dies geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Notenbanksitzung vom 9. Mai hervor. Erneut haben dort der Notenbank-Gouverneur Mervyn King, Paul Fisher und David Miles für eine Ausweitung um weitere 25 Milliarden Pfund votiert, wurden aber wie auch schon in den drei Sitzungen zuvor von den übrigen sechs stimmberechtigten Mitgliedern überstimmt. Einstimmig war dagegen die Entscheidung den Leitzins auf dem seit über vier Jahren gültigen Rekordtief von 0,5 Prozent zu belassen.

Laut Protokoll schätzt man die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin als schwach im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt ein. Zudem würden immer noch die Abwärtsrisiken überwiegen. Insbesondere eine mögliche Verschärfung der Eurokrise wäre ein potentielles Risiko für die wirtschaftliche Erholung in Großbritannien. Im vor kurzem veröffentlichten Inflationsbericht hatte die BoE für das zweite Quartal des laufenden Jahres ein Wachstum von 0,5 Prozent prognostiziert, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen war.

In einer vor kurzem von der Nachrichtenagentur Reuters durchgeführten Umfrage unter Ökonomen, prognostizierte eine knappe Mehrheit von 55 Prozent, dass die Notenbank im Jahresverlauf das Volumen der Anleihenkäufe doch noch erhöhen wird.

Inflation derzeit niedriger, als erwartet

Am Dienstag hatte die britische Statistikbehörde mitgeteilt, dass die Verbraucherpreise im April mit einem Jahreswert von 2,4 Prozent gestiegen sind. Im Monatsvergleich lag der Anstieg bei 0,2 Prozent. Ökonomen hatten im Konsens einen höheren Wert von 2,6 Prozent im Jahresvergleich prognostiziert. Im März lag die Teuerung noch bei 2,8 Prozent. Die Inflation schwächt sich damit das erste Mal seit September 2012 ab. Trotzdem liegt der Wert immer noch deutlich über der Zielmarke der Notenbank von etwas unter zwei Prozent. Dieser war letztmalig im Herbst 2009 erreicht worden. Die BoE geht davon aus, dass die Inflation zur Jahresmitte wieder auf rund 3,0 Prozent ansteigen wird. Eine Rückkehr in den Zielbereich wird für die kommenden zwei Jahre nicht erwartet.

Carney warnt vor einem Jahrzehnt der Stagnation

Die Notenbank-Sitzung war die vorletzte unter Gouverneur Mervyn King. Ab Juli wird der jetzige Gouverneur der kanadischen Notenbank Mark Carney die Leitung der BoE übernehmen. Dieser warnte am Dienstag in einer Rede in Montreal Europa vor einem „Jahrzehnt der Stagnation“. Umfangreiche Sparmaßnahmen, wenig Vertrauen und problematische Kreditbedingungen würden die Konjunktur belasten. „Im Finanzsystem Europas gibt es weiterhin viele Herausforderungen. Ohne umfassende und nachhaltige Reformen droht eine Dekade der Stagnation“, sagte er. Außerdem sprach er sich für die Schaffung einer Bankenunion aus. Ohne diese würde die Währungsunion fundamental geschwächt, da sich die Abhängigkeit zwischen der Solvenz der Staaten und jener der Banken verstärkt habe. Längerfristig betrachtet sei auch eine gesamteuropäische Arbeitslosenversicherung sinnvoll, welche auf einem gemeinsamen Arbeitsmarkt basiere. Dadurch könnten Arbeitslose ihre Suche einfacher auf ganz Europa ausweiten.

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