AUD/USD: Weitere Zinssenkung in Australien unwahrscheinlich

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Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat am Dienstag bei ihrer geldpolitischen Sitzung den Leitzins erneut unverändert bei 2,5 Prozent belassen. Zuletzt erfolgte im August eine Zinssenkung um 0,25 Prozent, welche wegen der sich verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen die achte innerhalb von zwei Jahren war.

Im begleitenden Statement haben sich die Formulierungen von RBA-Gouverneur Glenn Stevens allerdings in wichtigen Bereichen deutlich geändert. Während nach der vorhergehenden Sitzung im Dezember noch betont wurde, dass man die weitere Entwicklung beobachten und die Geldpolitik wie notwendig anpassen würde, nimmt die RBA nun nur noch eine neutrale Stellung ein. Die Geldpolitik sei auf nachhaltiges Wachstum im Einklang mit dem Inflationsziel konfiguriert und aus aktueller Sicht sei der beste weitere Kurs eine längere Periode eines unveränderten Leitzinses. Mit dieser Aussage ist die Möglichkeit einer erneuten Zinssenkung, welche Analysten vor einigen Monaten durchaus mehrheitliche noch prognostiziert hatten, also vorerst vom Tisch. Eine Zinserhöhung steht anderseits allerdings genauso wenig an. Ökonomen erwarten diese frühestens Ende des Jahres.

Auch in Bezug auf den Australischen Dollar wurde die Formulierung geändert. Während zuvor regelmäßig die hoch bewertete Landeswährung beklagt wurde (zuletzt in der Formulierung „unangenehm hoch“) und man eine weitere Abwertung als notwendig für das Ziel eines ausgewogenen Wachstum für notwendig gehalten hat, spricht man nun von einem „weiter zurückgegangenen“ Wechselkurs, welcher ein ausgewogenes Wachstum unterstützt.

Gleichzeitig wird die zuletzt auf 2,7 Prozent gestiegene Inflation erwähnt. Diese habe im vergangenen Quartal höher gelegen, als erwartet. Man könne allerdings davon ausgehen, dass die Teuerung in der nächsten Zeit wieder geringer werden und im Einklang mit dem längerfristigen Inflationsziel von 2 bis 3 Prozent bleiben würde. Trotzdem dürfte die Inflation etwas höher ausfallen, als man bisher prognostiziert hatte.

Die Weltwirtschaft habe sich im vergangenen Jahr etwas unter dem langfristigen Trend entwickelt. Es gebe aber gute Aussichten auf eine Belebung in diesem Jahr. So würden sich die USA weiterhin auf Expansionskurs befinden und auch in der Eurozone habe eine Erholung von der Rezession begonnen, wenn dieser auch noch fragil sei. In Australien hätte sich die Situation in einigen Bereichen verbessert, während diese in anderen Sektoren noch unbefriedigend sei. Insgesamt erwartet die RBA kurzfristig noch ein Wachstum in Australien unter dem langfristigen Trend und auch eine steigende Arbeitslosigkeit. Mittelfristig sollten die anhaltend niedrigen Zinsen und der tiefere Wechselkurs aber für ein stärkeres Wachstum sorgen.

Charttechnische Betrachtung von AUD/USD:

Der Australische Dollar hatte seit April 2013 von Kursen bei fast 1,06 deutlich bis zu einem Tief bei nur noch 0,8656 am 24. Januar abgewertet. Noch geringer wurde die australische Währung zuletzt im Juli 2010 bewertet. Anschließend war zunächst nur noch wenig Bewegung vorhanden. Die jetzige Notenbanksitzung, welche prinzipiell das Ende der geldpolitischen Lockerungen angekündigt hat, stärkte nun aber den australischen Dollar und führte zu einer Erholung bis aktuell leicht oberhalb von 0,89 (Stand Dienstag, 4.2.2014, ca. 16:00 Uhr). Von einer Änderung des übergeordneten langfristig bearishen Chartbildes kann dadurch jedoch noch nicht gesprochen werden. Die erhebliche Abwertung der vergangenen Monate hing zwar durchaus auch mit der Erwartungshaltung weiterer geldpolitischen Lockerungen in Australien bei einer sich gleichzeitig abzeichnenden langsamen Straffung der amerikanischen Geldpolitik zusammen. Nun zeichnet sich in Australien keine weitere Lockerung mehr ab, was die Sachlage etwas ändert. Möglicherweise wird kurzfristig auch eine gewisse weitere Kurserholung zu beobachten sein. Ob dies aber tatsächlich für einen wieder nachhaltig aufwertenden Australischen Dollar ausreicht, kann bezweifelt werden und ist nach unserer Auffassung eher unwahrscheinlich. Oberhalb des genannten Januar-Hochs bei 0,9086 könnte charttechnisch von einer gewissen Aufhellung gesprochen werden. Aber auch darüber folgen bei 0,92; 0,9447; 0,9544 und vor allem dem Bereich 0,98/1,00 starke Widerstände, welche einen weiteren Anstieg aufhalten können. Erst oberhalb von der Parität (Kursverhältnis von 1:1) wäre auch eine Rückkehr zu den Hochs aus dem Zeitraum Mitte 2012 bis April 2013 bei rund 1,06 wieder zu erwarten. Anderseits müsste aber bereits unter 0,87 und dann insbesondere unter dem Tief bei 0,8656 von einer weiteren Abwertung mit Zielen bei 0,86; um 0,84 und 0,8062 ausgegangen werden. Trotz der deutlichen Abwertung der vergangenen Monate sollte bei langfristigen Analysen bedacht werden, dass der Australische Dollar historisch betrachtet auch jetzt keineswegs niedrig bewertet ist. Vor der Finanzkrise 2008 lag der Kurs im Tief nur wenig über 0,60. Um die Jahrtausendwende herum sogar noch deutlich tiefer.

Tageschart AUD/USD (Stand Dienstag, 4.2.14, ca. 16:00 Uhr):
AUDUSD

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