AUD/USD: RBA schaut auf die Inflationsrisiken

Die Reserve Bank of Australia (RBA) prognostiziert für die australische Konjunktur weiterhin ein Wachstum leicht unter dem Trend, schaut dabei aber verstärkt auf die Inflationsrisiken. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung vom 2. Juli hervor. Bei dieser hatte die Notenbank den Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 2,75 Prozent belassen.

In den meisten Bereichen ergab das Protokoll kaum veränderte Einschätzungen gegenüber der vorangegangen Juni-Sitzung. Den Australischen Dollar sieht man, trotz einer Abwertung gegenüber dem US-Dollar um rund 12 Prozent seit April, immer noch als historisch hoch bewertet und hält eine weitere Abwertung in den kommenden Monaten für möglich, was die australische Konjunktur unterstützen würde.

Die Inflation bleibe im Einklang mit der mittelfristigen Zielmarke, wurde mitgeteilt. Hier gab es aber gegenüber dem Vormonat eine Änderung in der Formulierung, welche unter Experten auf stärkere Beachtung gestoßen ist. Erstmals wurden diese nämlich als „wenn auch etwas höher wegen der Abwertung des Wechselkurses“ bezeichnet. Zudem wurde im Hinblick auf die Inflationsaussichten mitgeteilt, dass diese „immer noch einen gewissen Spielraum für eine weitere Lockerung“ geben, sofern dies erforderlich sei, um die Nachfrage zu stützen. Vor einem Monat war die Formulierung noch wesentlich deutlicher und lautete: „Die niedrige Inflation gibt aber Spielraum für eine erneute geldpolitische Lockerung“.

Experten werten die Änderung der Formulierung als Zeichen darauf, dass die Notenbank derzeit verstärkt auf die Inflationsrisiken schaut und zumindest für die nächste geldpolitische Sitzung am 6. August eine erneute Senkung des Leitzinses deutlich unwahrscheinlicher geworden ist.

Charttechnische Betrachtung von AUD/USD:

Seit der letzten Leitzins-Senkung durch die australische Notenbank am 7. Mai, also bereits seit über zwei Monaten, befindet sich der Australische Dollar ausgehend von Kursen über 1,02 in einer steilen Abwärtsbewegung, welche am vergangenen Freitag ein vorläufiges Tief bei nur noch 0,8994 erreichte. Das war der tiefste Stand seit September 2010. In dieser Woche zeigte sich das Paar am Montag zunächst leicht stabilisiert, blieb aber unentschlossen überwiegend unter 0,91. Die aus dem Sitzungs-Protokoll hervorgehende geringere Wahrscheinlichkeit für eine baldige weitere Zinssenkung sorgte dann aber am heutigen Dienstag für eine stärkere Aufwertung des Australischen Dollars. Aktuell (Dienstag ca. 18:15 Uhr) liegt AUD/USD bei rund 0,922. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dies der Beginn einer größeren Erholung des Paares ist. Noch muss aber beachtet werden, dass aus charttechnischer Sicht nicht viel passiert ist. Denn erst bei einem Anstieg über das Hoch vom 26. Juni bei 0,9344 würde sich die Situation tatsächlich kurzfristig aufhellen. Dann könnte sich das Paar anschließend durchaus bis zum nächsten wichtigen Widerstand bei 0,9665 erholen. Aber selbst in diesem Fall würde das übergeordnete langfristige Chartbild noch negativ bleiben. Erst oberhalb von dem Bereich 0,98/0,9842 könnte von einem wieder nachhaltig bis 1,06 steigenden Australischen Dollar ausgegangen werden. Im Moment sieht es aber eher danach aus, das AUD/USD wenn nicht sofort, dann aber doch bald wieder nach unten dreht. Unterhalb des Tiefs bei 0,8994 wären die nächsten Unterstützungen bei 0,88; 0,86 und längerfristig 0,806 zu finden. Selbst noch tiefere Kurse können langfristig nicht ausgeschlossen werden, insbesondere wenn man bedenkt, dass sich das Paar von 1990 bis 2007 und nochmal direkt in der Finanzkrise zwischen Oktober 2008 und Juni 2009 überwiegend unter 0,80 bewegt hat.

Entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung wird die Geldpolitik haben und hier steht insbesondere die amerikanische Notenbank im Fokus. Sollte das bisherige Bild einer möglichen geldpolitischen Straffung in den USA noch in diesem Jahr und einer wahrscheinlichen weiteren Leitzins-Senkung in Australien in den kommenden Monaten, bestehen bleiben, dürfte dies zu einer weiteren Abwertung von AUD/USD führen. Sollte sich diese Einschätzung allerdings ändern, egal ob durch steigende Inflationsrisiken in Australien oder eine wieder stärker schwächelnden Konjunkturentwicklung in den USA, kann es auch sehr schnell wieder nach oben gehen. Eine wichtige Bedeutung, zumindest für die kurzfristige weitere Entwicklung, könnte daher die Anhörung von Fed-Gouverneur Ben Bernanke am morgigen Mittwoch ab 16:00 Uhr vor dem Finanz- und Bankenausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses haben.

Tageschart AUD/USD (Stand Dienstag, ca. 18:15 Uhr):
AUDUSD

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